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Die Ahr und ihre Hochwässer

Ein Sommerhochwasser aufgrund von Starkregen wird von den demokratischen Politikern dazu genutzt, die Klimahysterie anzukurbeln. Man möchte die Steuern erhöhen und den Menschen das Reisen verbieten. Das bedeutet, den „Klimaschutz“ zu beschleunigen.

Leider hauen inzwischen auch die Systemlinge in der AfD in diese Kerbe. Michael Frisch hat nach Meuthen ebenfalls ein unsägliches Sommerinterview gegeben. Er hat das Grundsatzprogramm ignoriert und sich als Klimahysteriker inszeniert.

Michael Frisch ist Klimahysteriker

Um die Diskussion zu versachlichen, hier ein paar

Fakten:

Aus der JF vom 23.07.2021:

Warnungen erfolgten zu spät

Anhaltender Starkregen durch ein eingeklemmtes Tiefdruckgebiet löst eine Jahrhundertkatastrophe aus
Holger Douglas

Die Ahr, ein linker Nebenfluß des Rheins, führte durch Gewitterregen bereits seit Tagen Hochwasser. Dann entlud sich „ein erneutes Unwetter in der Hoch- und Ahreifel mit riesigen Niederschlagsmengen. Alle zur Ahr führenden Nebenflüsse, vor allem der Trier-, Adenauer und Kesselinger Bach, schwollen innerhalb kürzester Zeit stark an. Eine alles wegreißende Flutwelle füllte die Täler und ließ das gesamte Ahrsystem über die Ufer treten“, heißt es in dem Bericht von vergangener Woche? Nein, es ist ein zeitgenössischer Bericht über eines der folgenschwersten dokumentierten Hochwasser der Ahr.
Im Juli 1804 gehörten die deutschen Gebiete links des Rheins zu Frankreich. Der Starkregen forderte „63 Menschenleben. 129 Wohnhäuser, 162 Scheunen und Stallungen, 18 Mühlen, acht Schmieden und nahezu alle Brücken, insgesamt 30, wurden von den Wassermassen weggerissen. Weitere 469 Wohnhäuser, 234 Scheunen und Ställe, zwei Mühlen und eine Schmiede wurden beschädigt. 78 Pferde und Zugrinder kamen in den Fluten um, Obstbäume wurden entwurzelt, Weinberge abgespült, die gesamte EAXrnte vernichtet und Wiesen und Felder in der Talaue hoch mit Sand und Kies überschüttet“, hieß es weiter.

Das nächste Ahr-Jahrhunderthochwasser, im Juni 1910, „forderte insgesamt 52 Menschenleben, zumeist Bahnarbeiter. Diese wurden teilweise mit ihren Baracken fortgerissen und ertranken. Alle Ortschaften im Tale des Trierbach, Adenauerbach und der oberen und mittleren Ahr erlitten erhebliche Schäden, nahezu alle Brücken wurden zerstört“, heißt in einer Chronik des Kreises Ahrweiler. Bei der jüngsten Katastrophe starben in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mindestens 166 Menschen, die Sachschäden liegen in Milliardenhöhe. Ältere Bewohner des Ahrtales wissen, daß Hochwasser im Sommer schnell ansteigen, mit große Wassermengen eine enorme Strömungsgeschwindigkeit erreichen. Chroniken berichten, daß zyklische Hochwasser sogar genutzt wurden, um Bäume die Ahr hinunterzuflößen.

Bereits seit 1790 sind Forderungen dokumentiert, die Ahr zu regulieren, damit sie „in ihren Ufern eingeschränkt“ werde. Zuerst sind es nur kleinere Hindernisse, die in den Wasserlauf eingebaut werden, sogenannte Ahrkrippenbauten. Einschneidende Regulierungsarbeiten begannen ab 1880. Doch die damals errichteten Stauwehre und Staustufen an der Ahr wurden in den vergangenen Jahren wieder zurückgebaut. Jetzt galt „zurück zur Natur“, den Flüssen sollte wieder ein „natürlicher“ Lauf verpaßt werden. Eine Folge zeigte sich vorige Woche: Die außergewöhnlich starken Regenmassen konnten jetzt ungehindert zu Tal schießen und mit ihrer ungeheuren Kraft alles mitreißen, was im Weg stand.

Über all diesen Renaturierungsgedanken geriet die Gefahr aus dem Sinn – die Warnungen erfolgten zu spät. Erst am 16. Juli löste Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) den militärischen Katastrophenalarm aus, denn der einstige Bunker der Bundesregierung im Ahrtal wurde vor mehr als 20 Jahren stillgelegt. Das Hochwasser kam schnell, aber nicht überraschend: „Schuld war das Tiefdruckgebiet Bernd über Deutschland“, erläutert der Meteorologe Dominik Jung. Es war „quasi die Grenze zwischen einer sehr schwülwarmen Luftmasse in Osteuropa und kühlen Luftmassen in Westeuropa, eingeklemmt zwischen diesen beiden Wetterlagen“, so der Geschäftsführer der Q.met GmbH, die das Portal Wetter.net betreibt. „Deshalb hat sich über Stunden hinweg der starke Regen immer am gleichen Ort entladen.“ Das Europäische Hochwasserwarnsystem (Efas) hatte bereits zu Beginn der vergangenen Woche eine „extreme Flutwarnung“ für die Region herausgegeben. Die hohen Todeszahlen sind für die Hydrologin Hannah Cloke von der englischen University of Reading ein „erhebliches Versagen des Systems“.

„Einige haben Gefahren unterschätzt und Regeln ignoriert“
Der Pegel Bliesheim zeigte am 14. Juli um 12 Uhr 87 Zentimeter an, sechs Stunden später 203 Zentimeter. Von einem „tödlichen Versagen des Katastrophenschutzes“ spricht Bild. „Einige Opfer haben die Gefahr unterschätzt und zwei Grundregeln bei Starkregen nicht beachtet: 1. bei Wassereintritt Kellerräume meiden, 2. sofort Strom abschalten“, entgegnet der Chef des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster (CDU). Besonders überrascht wurden die Bewohner von Erftstadt-Blessem im Rhein-Erft Kreis. Die Siedlung liegt direkt an der wichtigen A 61, die von den Niederlanden nach Nordbaden führt. Die Erft, die ansonsten brav bei Neuss in den Rhein mündet, schwoll innerhalb von wenigen Stunden zu einem reißenden Gewässer an.

Besonders fatal: eine Kiesgrube, bereits 60 Meter tief ausgehoben. Ihr weiterer Ausbau war erst vor fünf Jahren genehmigt worden. Das riesige Loch füllte sich rasch mit Wasser, erzeugte dabei einen starken Sog, der noch mehr Wassermassen anzog. Die spülten den sandigen Untergrund mit, verursachten eine rückschreitende Erosion bis an die Ortsgrenze von Blessem. Ein kompletter Acker wurde abgetragen, eine Reithalle und mehrere Häuser unterspült und zerstört. Ähnlich wie eine Sandburg, die vom Wasser abgebaut wird, beschreibt Diplomgeologe Matthias Habel den Vorgang. Gleichzeitig wurde die Hauptstraße in Blessem aufgerissen, die Abwasserleitungen freigelegt.

300 Meter Mindestabstand von Ortsrändern: so lautet die Vorschrift für Kiesgruben. Reicht das? Doch mehr Abstand bedeutet weniger Nutzfläche für Kiesgruben. Das Material ist als Grundstoff für Beton unabdingbar. Die vor den Amerikanern im sumpfigen Florida siedelnden Seminolen wußten, daß es eher ungünstig ist, zu nahe am wässrigen Erdreich zu siedeln. Heute leben im „Sunshine State“ 21,6 Millionen Menschen – trotz regelmäßiger Hurrikans mit zahlreichen Toten. Auch gefährlichen „Sink Holes“, plötzliche Löcher im Karstkalkboden, schrecken niemanden ab: Die 27 Meter tiefe Doline von Winter Park bei Orlando verschlang 1981 fünf Porsche in einer Werkstatt, einen Pickup, das städtische Schwimmbad und große Teile des Denning Drive.

Das gilt ähnlich auch für die Bewohner des Kölner Raumes. Vulkanologen weisen seit langem auf die geologischen Aktivitäten der Maare in der Vulkaneifel hin. Aus dem Maria Laacher See steigen seit langem Gasblasen aus dem Untergrund auf. Das deutet auf Aktivität hin. Trotz Erdbeben- und Vulkangefahr wohnen im Kölner Becken Millionen Menschen.

Das war nun der Artikel aus der JF. Dr. Seel hat unschätzbares geleistet, als er die Ahrhochwässer der Vergangenheit recherchierte und uns wichtige Informationen zur Klimahysterie lieferte.

Keine Angst

Es war schon immer so, nur gab es beim letzten Mal keine Autobahn, die gesperrt werden musste!

Die Ahr und ihre Hochwässer in alten Quellen

Dr. Karl August Seel

Die Ahr ist der nördlichste Nebenfluß des Rheines im Rheinischen Schiefergebirge. Mit einer Länge von 90 km und einem Einzugsgebiet von 900 kmhat sie, verglichen mit den anderen Nebenflüssen, die dem Rhein aus den Mittelgebirgen zufließen, ein verhältnismäßig kleines Fluß-System. Dieses ist jedoch sehr verzweigt und tief in den Gebirgskörper eingeschnitten. Das ist vor allem durch die relativ großen Höhendifferenzen und geringen Fließlängen zwischen den Quellen und Mündungen des Hauptflusses und seiner Nebenbäche bedingt.

Diese Höhenunterschiede, verbunden mit den geologischen Gegebenheiten, bewirken auch die oft caftonartigen Ausbildungen der windungsreichen und steilwandigen, teilweise mit Felsklippen durchsetzten Täler und machen ihren besonderen landschaftlichen Reiz aus. Durch die Lage des Ahrsystems im Osten und damit im Regenlee von Eifel und Ardennen und durch die Schüttungen der Quellen ist die normale Wasserführung der Ahr und ihrer Nebenbäche gering. Dieses ändert sich jedoch sprunghaft nach Gewittern, anhaltendem Regen und bei Schneeschmelze. Dann werden aus den munteren, lieblichen Bächen reißende, tobende Ströme, die über ihre Ufer treten und die Täler ausfüllen. In vielen Urkunden und Chroniken sind solche Hochwässer überliefert die häufig zu großen Schäden an Land und Bauwerken führten und Menschen und Vieh in Not brachten.

Im folgenden sind die an vielen Stellen verstreut stehenden Erwähnungen und Berichte von Ahrhochwässern gesammelt und chronologisch aufgeführt:

1348,16. Aug., Bachern: Kaufvertrag über Wiesenland zu B., dabei Sicherungsklausel gegen Landverlust durch Flußbettverlagerung infolge von Ahrhochwasser1a).

1410, 27. Okt., Wadenheim: Landübertragung als Pfand wegen erlittenen Schadens durch Hochwasser1 b)

Green: Die Greener Mühle wird durch Hochwasser weggerissen (zwischen 1410 und 1804 wird sie achtmal teilweise oder ganz durch Hochwasser zerstört)2).

1488, Ahrweller: »Die wilde Ahr hat die Brücke zerbrochen« (Ratsprotokoll)3). 

1547, Hemmessen: Durch Hochwasser wird die Mühle zu H. beschädigt4).

1582,8. Nov., Hemmessen: Die Landmühle und der Mühlenteich werden durch Hochwasser beschädigt4).

1590, Mai, Hemmessen: Ende Mai schwoll die Ahr durch ein großes Unwetter mit Platzregen höher als  seit Menschengedenken an. Der Mühlenteich der Landmühle wurde schwer beschädigt 1c) 4). 

Green: Die Greener Mühle wird durch Hochwasser zerstört2).

1598, Unteres Ahrtal: Tobias Stifell, Kellner zu Land-skron: »Mitten durch das Tal fleußt ein schön fließendes Wasser, die »Arre« oder »Ähre« genannt, davon die Wiesen befruchtet, »belettet« (= mit Hochwasserschlamm überzogen) und gewässert werden.«5).

Ahrtal, 6. Juli 1598: Hochwasser nach Gewitter (Rhein-Zeitung 12. 7.1959)

1601, 30. May, Antweiler: An diesem Tag . .. »Wilcher dömal ist gewes des Herren Himel Fahrtes Abendt« erhob sich unversehens am Nachmittag ein Ungewitter mit Regen und Hagel, verfinsterte sich der Himmel, die Schleusen des Himmels öffneten sich und unvorstellbare Wassermassen stürzten hernieder, so daß die entsetzten Bewohner an den Weltuntergang glaubten. Die Chronik berichtet weiter: »… und neben anderen groissen Schade mitt sich genomen 16 Gebeuten Heusern Scheuren und Stellen und in die 9 Personen ertrunken. Das Wasser aber ist dermaßen vergift gewesen das es die Fisch der Ahr in die 2 Meil erstickt«. (Zit. n. Rhein-Zeitung vom 2. Juli 1975). 

1603, Hemmessen: »durch die dauernden Ahrüber-schwemmungen hervorgerufene Verwüstungen der Mühlenklausen und -teiche belaste die Dörfer derart mit Bauholz, Schanzen und Fronden, daß ihnen Wälder, Buschen und Rahmhecken zu Schaden kämen«. Beschwerde der Bürger von Ramersbach, die mahl-und fronpflichtig bei der herzoglichen Landmühle zu Hemmessen waren.6)1n)

1606, 5. Mai, Hemmessen: Verkauf eines freiadeligen Hauses und Hof zu H., die durch die Ahr völlig zerstört und weggeschwemmt sind10). 

1618, Wadenheim: »wegen verschiedener Wiesenverwüstungen durch Hochwasser.«10)

1659, Hemmessen: Die Hemmesser Mühle wird durch Hochwasser zerstört und weiter oberhalb, an heutiger Stelle wiederaufgebaut4) 1q). 

1663-1671, Ahrweiler: »Desgleichen weilen durch den schädlichen Ahrfluß und dessen fast immerwährenden Überschwemmungen und einreißungen vielen und zwar von den allerbesten Morgen, sowohl Landts als benden (= Wiesen) fundity evertirt und weggenohmmen werden … « (Bericht des Bürgermeisters von Ahrweiler 1671 )7)

1677, 2. Feb., Hemmessen: Die Hemmesser Landmühle wird durch Hochwasser weggerissen.1d)4)

1680, Hemmessen: H. und die Kurfürstliche Landmühle werden durch Hochwasser bedroht1e) 4).

1686, Hemmessen: Die Landmühle wird durch Hochwasser erheblich beschädigt4).

1687, Februar, Ahrweiler: Große Überschwemmung durch Schneeschmelze, mehrere Brücken, davon 2 zu Ahrweiler, werden weggerissen1). 

6. April, Wadenheim, Hemmessen: Landmühle zu H. und einige Häuser sind von Hochwasser bedroht1 r)

1719, 1. Aug., Heppingen: »1719 prima Augusti fuit talis pluvia in Heppingen, daß die Mauer vom Garten Vice Satrapae (Amtsverweser) vom Wasser umge-worffen, die Stein 25 schritt hinweggetrieben, die Allee aus der Erde geworffen, die pöst (Pfosten) auß dem Garten biß nach Lorsdorf getrieben, das paviment domus Satrapae auffgehoben, 2 Knechte haben sich die bäum salvirt, die amtsverwalterin mit angreiffung eines Nast (Astes) an einem bäum sich Kümmerlich salvirt so lang biß endtlich durch hülff und darreichung ist gerettet worden, uno verbo es ist sehr erschröcklich und erbärmlich zuzusehen gewesen. Der schöne Garten ist ganz ruiniert«8).

1721, 18. Mai, Beul, Wadenheim: Überschwemmung 1g)
.
1727, Mayschoß: »In dissem Jahr ist ein schlechtes ansehen gewesen wegen undterschitlichen Wasser flusen« 9).

1739, 16. Jan., Ahrweiler: Eisstau verursacht eine derartige große Überschwemmung, daß auch ältere Bürger sich an ein solch gewaltiges Ahrhochwasser nicht zu erinnern vermochten. Das Wasser reicht über die »Ahrporz« bis in die Stadt. Die steinerne Brücke in der Nähe des Ahrtors wird zerstört1h)3). 

1760,2. – 6. Januar, Beul, Wadenheim: hochgehende Ahr 1i)

1761, Green: Das Dorf wird durch Hochwasser teilweisezerstört10).

1763. Mayschoß: »letzten Decembergabesgroßgewässer in dem Ahrfluß

1764. den 14 October noch größer«11). 

1764, Mayschoß: Dießselbig Jahr ist die ahr so groß gewesen, daß sie auff den Auell (Auel = freier Platz an der Chaussee in Mayschoß) ist gegangen gegen Kirchen theill unt unser h. Ambtmann halt die Köh auß den stallen mueßen thuen in die gerichts stup«s). 

1784,9. Dez., Wadenheim: Ahrhochwasser1!‘. 

1788, 24. Juni, Mayschoß: »Dießes Jahr auf S. Jo-hans abent ist ein groß Ahr gewesen, daß sie bis an Meyschoß an S. Petrus hilligen haußgen ist gegang«7)

1788, 23. Juli, Müsch, Dernau: Ahrhochwasser7).

1789. 20. – 26. Januar, Hemmessen: Ahrhochwasser15).

1790. Wadenheim: Die Ahr ist für Wadenheim ein sehr gefährlicher Nachbar, da sie durch keinerlei Uferausbau eingeschränkt ist. Eine gerade abgeschlossene Landvermessung ergab, »daß der Fluß vor und nach annähernd 500 Morgen aus dem Wadenheimer Kernland und den Kernwiesen und auch etwa 30 Häuser mit Scheunen und Ställen weggespült und zum »Steinhaufen« gemacht hat«
1k).
1795,3. Februar, Beul: Hochwasser mit Eisgang, die Brücken an der ganzen Ahr werden fortgerissen11). 

1804, 21. Juli, Ahrgebiet: Größtes und folgenschwerstes Hochwasser der Ahr, über das detailierte Berichte vorliegen. Durch Frick12) wurden Ablauf und Schäden dieser Katastrophe aufgrund von Meldungen und Berichten der französischen Behörden anläßlich der 150. Wiederkehr dargestellt. Alle Unterlagen befinden sich im Staatsarchiv Koblenz. Durch Gewitterregen führte die Ahr bereits seit Tagen Hochwasser, als am 21. Juli 1804 ein erneutes Unwetter in der Hoch- und Ahreifel sich mit riesigen Niederschlägen entlud. Alle zur Ahr führenden Nebenflüsse, vor allem der Trier-, Adenauer- und Kesselinger Bach, schwollen innerhalb kürzester Zeit stark an. Eine alles wegreißende Flutwelle füllte die Täler und ließ das gesamte Ahrsystem über die Ufer treten. Grommes7) hat anhand von Hochwassermarken ermittelt, daß der Höchststand dieses Hochwassers in Antweiler 2,50 m und in Dernau 1,85 m höher gewesen ist als das Katastrophenhochwasser von 1910.

Ahrhochwasser 1804. Lith. von Nicolas Ponsart

Im gesamten Einzugsbereich der Ahr verursachte das Unwetter und das anschließende Hochwasser riesige Sachschäden und forderte 63 Menschenleben. 129 Wohnhäuser, 162 Scheunen und Stallungen, 18 Mühlen, 8 Schmieden und nahezu alle Brücken, insgesamt 30, wurden von den Wassermassen weggerissen. Weitere 469 Wohnhäuser, 234 Scheunen und Ställe, 2 Mühlen und 1 Schmiede wurden beschädigt. 78 Pferde und Zugrinder kamen in den Fluten um, Obstbäume wurden entwurzelt, Weinberge abgespült, die gesamte Ernte vernichtet und Wiesen und Felder in der Talaue hoch mit Sand und Kies überschüttet.

Zur Behebung der Schäden wurde durch den Präfekten des Departement ein Arbeitsdienst eingerichtet, bei dem über 800 Männer, teilweise von der Mosel kommend, eingesetzt waren. An Steuergeldern wurden 120 000 Francs und Bauholz aus den Wäldern für 40 000 Francs zur Verfügung gestellt. Kaiser Napoleon gab aus seiner Privatschatulle 30 000 Francs, die Kaiserin weitere 4 800 Francs zur Linderung der Not, 45 000 Francs erbrachte eine Spendenaktion. 

Mayschoß und Laach: Ein ausführlicher Bericht in Französisch, Deutsch und Latein findet sich in der Mayschoßer Chronikg).

Bodendorf: Pastor Fey berichtet über das Hochwasser in einem bisher unbekannten Tagebuch (1802 -1805): »Den 21. (Juli) bin ich mit He(rrn) Dechant Radermacher über den Berg nach Remagen gegangen und oben auf dem Berg fang es dergestalten an zu regnen, daß wir beide bis an die Haut naß in Remagen angekommen. In selber Nacht ist auch die Ahr so angewachsen, daß das abgeschnittene Korn von den Fudern abgetrieben, alle möglich Hausgeräthe, Bauhölzer und todte Menschen auf dem Felde gefunden worden, die mit der Aar dahin getrieben«.

Antweiler:»1804.21, Juni Nachmittags 3 Uhr stürzte das Wasser bei einem erschrecklichen Gewitter von Norden in Strömen aus den Wolken, wodurch die Ahr und alle kleineren Bäche dergestalt gewachsen, dass hier zu Antweiler 6 Häuser, 12 Scheunen und Stallungen, 2 Oehlmühlen, 1 Schmiede fortgerissen, 8 Häuser samt soviel Scheunen und Stallungen bis an die Dächer in Sand vergraben wurden. In Müsch wurden 10 Häuser mit ihren Gebäuden gänzlich beschädigt und 4 Menschen sind daselbst ertrunken. Auf dem ganzen Ahrstrom aber sind 65 Menschen, 147 Häuser, 190 Scheunen, 20 Mühlen, 8 Schmieden, 50 Brücken, nebst vielem Vieh in den Fluten zugrunde gegangen; 428 Häuser, 269 Scheunen, 8 Mühlen, wurden gänzlich beschädigt. Dieser wilde Strom hin-terliess in einer Höhe von 8, 10, ja sogar bis zu 20 Schuh hier Steinhaufen, dort einen Kot, dessen Geruch die Luft vergiftet. In diesem wütenden Strom, welcher die Kirche und alle Häuser zwischen der Ahr und Hägerbach, 4 ausgenommen, hoch unter Wasser setzte, welche über das hl. Häuschen über der Ahr ging, blieb das Bildnis des hl. Johannes Nepomuce-nus, so von Holz und nirgends festgemacht, auch vorn mit keinem Gegitter versehen war, wunderlich mit ihrem Häuschen und die Brücke stehen.«27).

Vielerorts entlang der Ahr erinnern Markierungen an die gefürchteten Hochwässer und lassen die Wasserstände vergleichen. Hier das Hoch wasser vom 11. Juli 1980 mit noch steigender Tendenz

1810, Ahrmündung: »Würde aber einmal wieder eine große Wasserentladung in der oberen Eifel, in welcher die Ahr entspringt, wie in den Jahren 1804 und 1810 entstehen, so ist zu befürchten .. .«13>.

1818, Mayschoß: »Annus 1818: Den 17. May am Feste der h. Dreifaltigkeit regnete es den ganzen Tag sehr stark, die Ahr schwoll an, stand bis an die Rent-meisterei und wirklich fürchtete man ein 1804tes Jahr nochmals zu gewärtigen … Es waren auch auf der Oberahr alle Brücken weggerissen. Weil jedoch die Ahr sonst kein Gehölz mit sich führte, so ging es doch ohne merklichen Schaden her«9).

1838. 25. Juni, Bengen: Der Bengener Bach führt Hochwasser, das Dorf wird überschwemmt.

1839. 13. Juli, Bengen: erneute Überschwemmung14).

1844, 23. Juni, Ahrweiler, Bengen: Infolge eines schweren Gewitters trat Hochwasser an der Unteren Ahr ein. Bei Ahrweiler wurden zahlreiche Weinberge in die Tiefe gerissen und große Erd- und Schuttmassen verfrachtet. Viele Ahrweiler Winzerfamilien stürzte das Unwetter ins Unglück3). Der Bengener Bach trat ebenfalls über die Ufer. Zwei Fuß hoch strömte das Wasser durch die Straßen von Bengen und schwemmte aus den Höfen Mist und Gerätschaften weg. Ein Haus wurde zerstört, in der Kirche stand das Wasser bis zum Hochaltar14).

1848, Juli: Hochwasser der Ahr durch Wolkenbruch im Trierbachtal. Grommes hat für dieses Hochwasser einen Pegelstand wie bei dem von 1910 ermittelt7). Die Ortschronik von Dernau berichtet für dieses Jahr von einem weiteren Hochwasser, verbunden mit starkem Eisgang, am Ostersonntag 1848. Dieses Hochwasser verursachte große Schäden, u. a. stürzten einige Fachwerkwände von Häusern an der Hauptstraße ein15).

1859, 11. Juni: Vermutlich Ahrhochwasser durch Wolkenbrüche. Für die Ahr bisher kein Beleg. Ausführliche Schilderung für das Brohltal, wo große Schäden durch das Unwetter und das Hochwasser entstanden. Dabei heißt es: Das Unwetter von Juni 1859 hatte übrigens im ganzen Kreis Ahrweiler schwere Schäden von mehr als einer halben Million Thaler verursacht und viele Menschenleben gefordert16).

1870, 22. Juli, Dernau: Hochwasser, das Wasser stand bis zur Hauptstraße15). 

1874,20. – 22. Juli: »Anno 1874 ist vom 20. Julius biß 22.ten ein so gewaltiges Wasser geweßen mit donnerschlägen, daß eß auff der ar und die ar herauf? ville dörff und Hoffen und Müllen fordgetrieben hat mit allen Brücken die gantze ar hinauf, und bei 500 Menschen ertrunken sein, ohne daß Viehe, weiß man nicht. Und die gantze ahrfrüchten, Korren und allerhand fruchten, wie sie umb Jakobie Tag seind und die ganze Statt arwyler hatte in Wasser gestanden und biß an den Kirchhoff, daß Keller und Häuser seind eingefallen, daß gantze ar Tal iß überschwembt bis an den rein«.

Bruchhäuser17) zitiert den Bericht, den er auf der Innenseite eines Buches gefunden hat, ohne Orts- und Quellenangabe. Für das Jahr 1874, einem relativ jungen Datum, gibt es keine anderen Belege für ein derart gewaltiges Hochwasser. Nach Stil und Ausdrucksweise, ist der Bericht in das 18. oder frühe 19. Jahrhundert zu stellen; die Jahresangabe bei Bruchhäuser wäre somit falsch (Lese- oder Druckfehler). Dem Umfang des Schadens wie auch dem Datum (20. – 22. Juli) nach dürfte es sich vermutlich um einen Bericht über das Hochwasser von 1804 handeln. 

Lantershofen: Wolkenbruch mit starker Abspülung im Bereich des Lantershofer Bachs27)

1880, Anfang Januar, Bodendorf: »Unser Ahrfluß war auch zugefroren von Blankenheim wo derselbe seinen Anfang nimmt bis nach Neuenahr. Als das Eis losbrach, sind alle Brücken fortgeschwemmt worden von Insul bei Adenau bis Ahrweiler und unterhalb Ahrweiler noch die Brücke zu Bachern Heppingen Green und Bodendorf. Schwere Eichen und Tannenbäume, schweres Brücken und Bauholz kam die Ahr heruntergetrieben und wurde vieles Gehölz auf unserer Ahrwiese angeschwemmt, welches den Eigentümer wieder zurückerstattet worden ist. Das Eis und Hochwasser halt auf der ganzen Ahrstrecke großen Schaden angerichtet an Gebäuden Äckern und Wiesen und Bäumen. Die schwersten Bäume wurden umgetrieben und zerbrochen wie ein Strohhalm.

März: In Folge des starken Frostes und schnell eintretenden Thauwetters stieg die Ahr so hoch an, daß sie den Höhenstand des Jahrhunderts nur zweimal erreicht hatte, und verursachte wieder viel Schaden«18).

1882, November, Bodendorf: »November fing mit kaltem trockenen Wetter an bis zum 10. Dann mit Unterbrechungen Regen bis zum 27. wo die große, ja größte Überschwemmung des Rheines und seinen Nebenflüssen stattfand, dieses Jahrhunderts. Ich werde hier ein kleines Bild von der Noth und dem Elend entwerfen«.

Es folgen Berichte aus Trier, Offenbach, Frankfurt, Landau, Neustadt a. d. H., Speier, Mainz, Neunkirchen, Diez, Coblenz, Neuwied, Bonn, Wesseling, Cölln.

December: »Eine neue Überschwemmung ist wieder eingetreten … Die reichen gesegneten Gefilde an Neckar Rhein und Main und Moßel sind wieder von einer Überschwemmung heimgesucht worden, die beispiellos ist und selbst die Katastrophe vom November weit hinter sich läßt…. Unsere Gemeinde hatt auch Geld und einen Wagen mit Lebensmittel und Kleidungsstücken nach unserer Nachbarsgemeinde Kripp geschickt«18).

1885, Sinzig: Unwetter mit Überschwemmung, ohne nähere Angaben17,27).

1888, 23. und 24. Juni 1888, Ahrgebiet: Durch Gewitterregen in der Eifel treten die Ahr und der Brohl-bach über die Ufer und richten große Schäden an. Im Bereich von Ahrweiler werden 3 Brücken beschädigt oder zerstört3),7).

Bodendorf: »Durch das Hochwasser der Ahr ist überall großer Schaden angerichtet worden .. .«18). 

Dernau, 24. Juni: Durch wolkenbruchartige Gewitter wurde der ganze Ort unter Wasser gesetzt. Weinbergsmauern stürzten ein, Terrassen und die Muttererde wurden abgeschwemmt, alle Keller geflutet, die Vorräte verdarben15).

1890. 23. Januar: Ahrhochwasser durch Schneeschmelze7).

1891. 30. Juni: Ahrhochwasser7). 

1893, 2. Februar: Ahrhochwasser durch Schneeschmelze7). 

5. Juli: Starker Wolkenbruch im Bereich von Adenau27)

Hochwasser 1910: Fortgerissenes Gerüstmaterial vom Eisenbahnbau führte zu zusätzlichen Staus, die fast alle Ahrbrücken wegrissen
Hochwasser 1910: Ein über meterhoher Sturzbach ergoß sich durch den Straßentunnel bei Altenahr und riß die gesamte Straße fort

1901, Februar, Bodendorf: »Als Tauwetter eintrat, schwoll die Ahr zu einem reißenden Strome an, der an den Uferbauten (= Uferbefestigungen) verschiedene Beschädigungen anrichtete und tiefe Löcher im Bett ausspülte«. »Am 6. März … fiel in den noch ziemlich hochgehenden Fluß …«

Dezember: »Die Ahr ging mit Hochwasser, durch die Schneeschmelze in der Eifel, die Brücke wurde losgerissen und somit mußten die Wegearbeiten jenseits der Ahr, da keine Verbindung mehr war, eingestellt werden. ..««

Januar 1902: »Die Verbindung mit dem jenseitigen Ahrufer ist wieder durch den Nachen hergestellt, damit die dort begonnenen Wegearbeiten fertiggestellt werden können18).

1906, März, Bodendorf: »Das Hochwasser geht überall zurück«.

Juli: »Der erst kürzlich wiederaufgebaute Steeg über die Ahr wurde vom Hochwasser fortgeschwemmt, wird aber sobald wie möglich wieder errichtet, da doch eine Kommunikation mit der anderen Seite jetzt zur Erntezeit vorhanden sein muß«18). 

1908, April, Bodendorf: »Die Ahr führt verschiedentlich Hochwässer« durch starke Schneefälle in Februar und März und anhaltenden Regen im April. 

Mai: »Am Ende des Monats hatte die Ahr infolge starker Gewitterregen in der Eifel einen so hohen Wasserstand wie seit Jahren nicht… Es ist unterhalb derselben (im Vorjahr gelegte Sohlschwellen) gerade an der Fuhrt eine solche Auskolkung entstanden, daß es nicht mehr möglich ist, dort durchzufahren«18).

1910, 12. und 13. Juni, Ahrgebiet: Dieses größte und folgenschwerste Hochwasser nach 1804 ist durch Ulrich19) ausführlich dargestellt worden. Grommes7) gibt für den Müscher Pegel einen Hochwasserscheitel von 5,0 m an, der jedoch durch Rückstau überhöht erscheint. Ulrich hat seinen Aufsatz durch zahlreiches Bildmaterial illustriert, weitere Aufnahmen finden sich in verschiedenen anderen Veröffentlichungen24). In Ursache und Wirkung war das Hochwasser von 1910 eine Wiederholung des von 1804. Wie damals tobten an den Unglückstagen nach vorhergehenden, anhaltenden Regenfällen heftige Wolkenbrüche zwischen Hoher Acht und Hochkelberg. Hohe Niederschläge fielen in kurzer Zeit in den Einzugsgebieten aller von hier zur Ahr entwässernden Bäche. Wie 1804 führten vor allem der Trierbach und Adenauerbach riesige Wassermengen — geschätzt wurden 33 000 000 cbm im gesamten Einzugsgebiet der Ahr — in einer gewaltigen Flutwelle zum Hauptfluß. Dieser schwoll ebenfalls sprunghaft an und trat alles mitreißend über seine Ufer. Durch Hölzer, Baugerät und anderes Material der gerade im Bau befindlichen Eisenbahnlinie Dümpelfeld – Lissendorf wurde das Hochwasser und seine Wirkung, vor allem im oberen und mittleren Ahrtal noch verstärkt. Das mitgeschwemmte Material staute sich an allen, den Abfluß hindernden Brücke und Bauwerken, die unter dem gewaltigen Wasserdruck zerbrachen und zerstört wurden.

Die Katastrophe forderte insgesamt 52 Menschenleben, zumeist Bahnarbeiter. Diese wurden teilweise mit ihren Baracken fortgerissen und ertranken. Alle Ortschaften im Tale des Trierbach, Adenauerbach und der oberen und mittleren Ahr erlitten erhebliche Schäden, nahezu alle Brücken wurden zerstört. 

Bodendorf: »Das Frühjahr ließ sich ganz gut an, aber der Sommer war mehr oder weniger verregnet. Ja in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni ging ein gewaltiger Wolkenbruch über unser Thal nieder, der ganz grausiges Hochwasser der Ahr verursachte und eine gewaltige Überschwemmung das Thal heimsuchte. Die durch diese Überschwemmung entstandenen Schäden wurden durch im ganzen Reich gesammelte Gelder gedeckt. Am Ahrbett machte das Wasser großen Schaden, so daß wohl ein vollständiger Neubau der Uferbefestigungen notwendig wird«18). »Am 13. Juni d. J. war die große Überschwemmung im Ahrtal. An der Oberahr sind ungefähr 70 Leute ertrunken; es waren dies meist Ausländer, die an dem Bahnbau arbeiteten. In Bodendorf hat die Überschwemmung großen Schaden gemacht. Das überall in den Wiesen üppig stehende Gras war alle überschwemmt und beschlammt. Es sind große Geldsammlungen veranstaltet worden. Sr. Majestät gab 10 000 Mark. Auch hier in Bodendorf sind die Geschädigten unterstützt worden, viele wurden fast schadlos gehalten«20).

»Am 13. Juni dieses Jahres war die große Wasserkatastrophe an der Ahr, verursacht durch Wolkenbrüche, welche an der Oberahr zwischen der Hohen Acht und Hillesheim zur Nachtzeit niedergingen«21).

1918, 15. – 27. Januar, Ahrgebiet: Hochwasser durch Schneeschmelze, Höchststand am 16. Januar7).

1920,11. Januar, Antweiler/Ahr: »11. 1., 6.10 Uhr: Wasserstand Müsch 2,30,6.00 Uhr nachm. stark steigend«. Telegramm an die Bürgermeister der Orte ahrabwärts (Original in der Ortschronik von Bodendorf18). Das Hochwasser hielt etwa 8 Tage an, Höchststand am Pegel Müsch 2,90 m7).

1922, Bodendorf: »So verging der Januar bis in der letzten Woche für einige Tage Regenwetter kam und Hochwasser brachte; … Zu Anfang Mai hatten wir ein sehr schädliches Hochwasser welches unsere neue eiserne Brücke zum Teil umwarf und viel Schaden an dem Gelände und Mühlenwehr verursachte«22).

Hochwasserkatastrophe 1910: Zerstörte Häuser in Müsch
Hochwasserkatastrophe 1910: Zerstörte Brücke bei Dernau

1924. November, Bodendorf: »Der Anfang November brachte ein starker Niederschlag mit großem Hochwasser in Rhein, Ahr und Mosel was ganz besonders viel Schaden an der Mosel und Rhein machte. Durch das Eindringen in die Keller wurde viel Most der noch in Gährung war sehr viel geschädigt«22).

1925. 31. Dezember/1. Januar 1926, Reimerzho-ven: Durch Schneeschmelze und Regen Ahrhochwasser, Höchststand am Pegel Reimerzhoven in der Nacht vom 31.12. 25 auf 1.1. 2623). 

Bodendorf: »Vor Weihnachten trat Tauwetter ein und viel Regen bis zu Neujahr hatten war in Rhein und Ahr ein fürchterliches Hochwasser das sehr starken Schaden anrichtete«22).

1936, Mai und August, Bodendorf: »Das Jahr 1936 brachte uns 3 schwere wolkenbruchartige Unwetter. Im Mai ging ein Wolkenbruch über dem Reichsberg und im Remagener Berg nieder, der in der Remagener und Bodendorfer Gemarkung große Verheerungen anrichtete. Im »Bachtal« kam ein Schlammstrom den Weg herab, brach teils durch die Gärten in die Hinterhäuser und füllte die Gebäude mit schmutzigem Wasser. Besonders waren die Gebäude von Peter Kramprich (Friseurstube), Joseph Bauer, Jakob Effelsberg, Wtw. Welsch und Bierbrauer an der Linde, Ginzier, Fuchs und Schmickler in Mitleidenschaft gezogen. Stundenlang pumpte unsere junge Feuerwehr die Keller aus. Da die verschlammte Feuerspritze nur schwer arbeitete, wurde die Sinziger Feuerwehr mit ihrer Motorspritze zur Hilfe gezogen. Gärten und Felder zwischen Dorf und Bahn glichen noch stundenlang, stellenweise tagelang einem glänzenden Schlammweiher. Schlimm sah es in den Weinbergen am »Finkenstein«, im »Petersdahl« und im »Babus« aus. Noch zweimal waren im August 1936 ähnliche Unwetter, die wiederum großen Schaden in der Flur von Remagen und Bodendorf anrichteten«20). 

1938, 14. Januar, Bodendorf: »Infolge rascher Schneeschmelze führt die Ahr Hochwasser«. 

1952, 23. Dezember, Bodendorf: »Die starken Regenfälle der letzten Tage bringen an Rhein und seinen Nebenflüssen Hochwasser«.

1953,22. Februar: »Frühlingswetter und 15° C bringt Schneeschmelze in der Eifel und Hochwasser der Ahr«.

1955,24. März: »Durch den ständig sich wiederholenden Schneefall und folgende Schneeschmelze hat die Ahr Hochwasser. Neuer Sportplatz und Straße bis Haus Lenz überschwemmt«. 

1961,1. Februar: »Infolge der Schneeschmelze führt die Ahr enormes Hochwasser, das die Keller am Ahrweg aus dem angeschwollenen Mühlenteich mit Grundwasser füllte und den Sportplatz sowie die Straße bis zum Cafe Lenz für 2 Tage überflutete«. 

1961,3. Juni: »Der enorme Regen in den letzten Tagen hat für Rhein und Ahr Hochwasser gebracht. Der Sportplatz steht wiederum unter Wasser und ebenso die Bäderstraße bis zum Haus Wirte-Koch. Die Anwohner vom Goldguldenweg und dem mittleren Teil der Bäderstraße haben Grundwasser im Keller stehen«.

1962,1. April: »Die Regenfälle der letzten Tage und die Schneeschmelze bringen an Rhein, Mosel, Nahe und Ahr erneut Hochwasser«. (Alle Zitate aus der Bodendorfer Schulchronik, die bis zum 2. Mai 1962 geführt wurde)20).Weitere Ahrhochwässer:

6.12.1965 Ahrmündungsgebiet durch Tauwetter und Rückstau des hochgehenden Rheins; 23/24.2.1970 gesamtes Ahrgebiet durch Schneeschmelze und anhaltende Niederschläge; 16. August 1972: Hochwasser durch starke Sommergewitter in Rhein- und Ahreifel, besonders betroffen ist die Untere Ahr; 25/26.11. 1972 Hochwasser durch Schneeschmelze; 7. – 9. Juli 1975 durch starke Regenfälle verheerendes Hochwasser der Ahr, besonders betroffen der Raum Adenau; 12. -15. Juli 1980 Ahrhochwässer durch anhaltende Niederschläge in der Hocheifel.

Während für den Rhein schon Hochwässer aus römischer Zeit und vor 1000 belegt sind25), beginnen die bisher bekannten Hinweise für die Ahr erst im 14. Jahrhundert. Anfangs in weiten Zeitsprüngen, werden die Überlieferungen dichter, je kürzer die Zeitspanne zur Gegenwart wird, dabei fällt die überlieferungslose Zeit während des 30jährigen Krieges auf. Insgesamt sind in der Aufzählung 75 Hochwässer der Ahr und ihrer Nebenbäche erfaßt. Davon waren 31 in einem Sommerhalbjahr (Mai – Oktober), 33 in einem Winterhalbjahr (November April), für 11 fehlen dazu nähere Angaben.

Das Charakteristikum der sommerlichen Hochwässer der Ahr ist ihr schnelles Ansteigen mit großer Strömungsgeschwindigkeit und ein schneller Rückgang. Winterhochwässer dagegen schwellen langsam an, haben zumeist eine Vorphase mit hohem Wasserstand und eine längere Dauer, um allmählich wieder auf mittleres Mittelwasser zu fallen.

Die plötzlichen Sommerhochwässer lehren selbst die wasserliebenden Camper das Fürchten: Hochwasser vom 11. August 1981 Fotos u. Repros: Görtz

Nimmt man als Kriterien für schwere Hochwässer weggerissene Brücken, zerstörte Gebäude und ertrunkene Menschen, ab dem 19. Jhdt.

auch Wasserstandsmarken und Pegelstände, so kann man 9 Hochwässer besonders herausstellen. Hiervon sind wiederum 5 Sommerhochwässer (1601, 1804, 1818, 1848, 1910) und 4 Winterhochwässer (1687, 1739, 1795, 1880). Herausragende Katastrophenhochwässer sind aufgrund der überlieferten Schäden die von 1601, 1804 und 1910, allesamt durch Gewitter ausgelöste Sommerhochwässer. Nahezu immer sind der Trierbach und der Adenauerbach die Hauptabflußsysteme der die Hochwässer auslösenden Niederschläge.

Während über die Ufer gehende Hochwässer immer unerwünscht waren, wurden »normale« Hochwässer früher aber auch wirtschaftlich genutzt und mit ihnen Bäume die Ahr hinuntergeflößt. So wird für 1701 berichtet, daß ein Kaufmann ohne herrschaftliche Erlaubnis versuchte »etliche 1 000 Eichenbäume die Ahr hinunterzuschwemmen«. Mit Hilfe der Schützen hat dies der Bodendorfer Bote Jost gestoppt, bis die erforderliche Gebühr bezahlt war. 1784 kann dies von dem landskronischen Beamten zu Bodendorf jedoch nicht verhindert werden, da die Adenauer Holzhändler die Erlaubnis von Kurköln und Kurpfalz besaßen1 m). Schon früh beginnen Versuche die Ahr zu regulieren und die Schäden der Hochwässer zu mindern. So wird z. B. 1790 für Wadenheim, Hemmessen und Beul gefordert, daß die Ahr »in ihren Ufern eingeschränkt« werde. Ab 1791 wird dann mit »Wasserbauten« und »Ahrkrippenbauten« begonnen1 k). Die Regulierung der Ahr in ihrer heutigen Form beginnt jedoch ab 1880 und wird im wesentlichen vor dem 1. Weltkrieg vollendet.

In der Folgezeit werden für Abflußmessungen und Hochwasserwarnungen auch Pegel eingerichtet. Pegel befinden sich heute in Niederehe, Kirmutscheid, Müsch und Reimerzhoven26); letzterer ist ein Pegel l. Ordnung. Während der Pegel Müsch vermutlich nach dem Ahrhochwasser von 1910 eingerichtet wurde, erfolgte die Installierung der anderen Stationen nach dem Hochwasser von 1920. Vergleicht man zum Abschluß auf Karten die heutige Tallandschaft der Ahr mit der von früher, so,kann man erhebliche Veränderungen durch die Flußregulierung und Uferverbauung erkennen. Die Tranchotkarten (Blätter 111 Ahrweiler, 112 Remagen, 119 Kreuzberg, 120 Kesseling), aufgenommen zwischen 1808 und 1810, zeigen das Bild eines frei in seinem Tal pendelnden, unverbauten Flusses. Vor allem im unteren Ahr-tal löst sich der Strom auf und fließt in zahlreiche Rinnen in einem breiten Hochwasserbett durchsetzt von Inseln und eingesäumt von Sand- und Kiesflächen zum Rhein. Die französischen Ingenieurgeographen haben hier das Ahrtal so kartiert, wie es das Hochwasser von 1804 hinterlassen hatte.

Diese Tranchotkarten zeigen im Vergleich mit dem heutigen Bild der Tallandschaft sehr deutlich: Die Siedlungen mieden den Hochwasserbereich oder hielten Abstand von der Hauptstromrinne, wodurch normalen Hochwässern der schnelle und ungehinderte Abfluß ermöglicht wurde.

Literaturverzeichnis

1)Frick, Hans

Quellen zur Geschichte von Bad Neuenahr, Bad Neuenahr 1933 a = 687, b = 882, C = 1199, d = 1513, e = 1514, f = 1530, g = 1636, h = 1687, i = 1753, j = 1763, k = 1784 ff, l = 1799, m = 1569, n – 1232,0 -= 1255, p – 1300, q – 1426, r – 1531, s = 1783

2) Bahles, Diethard

Eine Mühle im Bild der Jahrhunderte, Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler (= HJB AW) 1967, S. 61 – 55

3) Rausch, Jakob

Heimatbuch der Stadt Ahrweiler, Ahrweiler o. J. (etwa 1965), Hochwasser S. 520 – 522

4) Rausch, Jakob .

Die Landmühle in Hemmessen, ein Spiegel rheinischer Mühlengeschichte, HJB AW 1966, S. 78 – 81

5) Frick, Hans

Von der Lage und von der Erbauung des Hauses Landskron, HJB AW1956, S. 79-91

6) Wies, Rudolf

Die »gute alte Zeit« — Ein Kapitel aus dem Dorfbuch von Ramers-bach, HJB AW 1956, S. 117 – 119

7) Grommes, Gertrud

Das Ahrtal — Eine anthropogeographische Studie, Osnabrück 1930,5.17 ff.

8) Zit. n. Rhein-Zeitung vom 20. Mai 1953 ohne Verfasser und Quelle. G. Kinkel erwähnt dieses Unwetter ebenfalls und stützt sich auf Rheinischen Antiquarius II110,87. Nach Frick (1) (1626) handelte es sich bei dem Anwesen um das heutige Graf Wolff-Metternich’sche Haus in Heppingen.

9) Eckertz, G.

Chronik und Weisthum von Mayschoß an der Ahr. Ann. d. hist. Ver-einsf. d. Niederrhein, 16. Heft, Köln 1865, S. 39 -123

10) Bahles, Diethard

Green besaß eine Wasserburg, HJB AW 1966, S. 64 – 66

11) Weidenbach, A. J.

Aus dem Gemeindebuch von Mayschoß in Hist. Beilage zum Kreisblatte für die Kreise Ahrweiler und Adenau, Ahrweiler, den 6. Juni, Nr. 3,1847

12) Frick, Hans

Das Hochwasser von 1804 im Kreise Ahrweiler, HJB AW 1955, S. 43-51

13) Stollenwerk, Alexander

Ein Bericht über die Bereisung des Kreises Ahrweiler aus dem Jahre 1832, HJB AW 1975, S. 75 – 81

14) Prothmann, Ottmar

300 Jahre Dorfgeschichte von Sengen im Spiegel der Pfarrchronik, HJB AW 1981, S. 66-73

15) Paetz, Hermann

»Fort von der Brücke« gellte der Warnruf…, Rhein-Zeitung vom 13. Juni 1980

16) Hommen, Carl Bertram

Als in Brohl für den »Grundweg« noch »Barrieren-Geld« erhoben wurde. HJB AW 1980. S. 91 – 95

17) Bruchhäuser, Karl

Heimatbuch der Stadt Sinzig, Sinzig – Koblenz 1953, S. 192

18) Ortschronik von Bodendorf

angelegt von Clemens v. Lassaulx 1879; geführt bis 1955 (von verschiedenen Chronisten)

19) Ulrich, Christian

Hochwasserkatastrophe der Ahr am 12/13. Juni 1910, JB AW 1938,5.92-106

20) Schulchronik der Schule und Gemeinde Bodendorf,

begonnen von Lehrer Johann Mies, 1895, geführt vom jeweiligen Schulleiter bis 1962

21) Lagerbuch der Pfarrei Bodendorf,

begonnen von Pfarrer Bartholomäus Fey 1802, mit Unterbrechungen geführt bis ca. 1955.

22) Kraus. Gottfried, Bodendorf

Landwirtschaftliches Tagebuch, geführt von 1922 – 1929, 29 Seiten

23) Gutachten der Preußischen Landesanstalt für Gewässerkunde Untersuchungen der Ursachen der großen Hochwasser, die in den letzten Jahren, namentlich am Rhein eingetreten sind. Berlin 1929

24) 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Altenahr 16./17. Mai 1981, S. 65 – 73 (3 Abb.)

1 000 Jahre + 975 — 1975 + Müsch an der Ahr, Dorfchronik und Festschrift, hrsg. vom Bürgerverein Müsch, Ahrweiler 1976 (4 Abb., die Bilder auf S. 17 oben und 22 unten sind falsch datiert, alle Bilder von 1910).

25) Fuchs, Albert

Das Überflutungsgebiet des Rheins innerhalb der Neuwieder Talweitung. Forsch, z. dtsch. Landeskunde, Bd. 124, Bad Godesberg 1960

26) Keller, Reiner

Der mittlere Niederschlag in den Flußgebieten der Bundesrepublik Deutschland. Forsch, z. dtsch. Landeskunde, Bd. 103, Remagen 1958

27) Mertens, Aloys

Beiträge zur Morphographie und Siedlungskunde des Ahrgebiets, Ahrweiler 1910

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