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US-Imperialismus

Zum Imperialismus der USA

Die USA haben in den beiden großen Kriegen des vorigen Jahrhun­derts eingegriffen und sie zu den furchtbaren Weltkriegen mit Zigmillionen Opfern ausufern lassen. Sie haben seitdem eine ganze Reihe von Angriffskriegen geführt: Korea, Vietnam, Jugoslawien, Afghanistan, Irak, um nur die wichtigsten zu nennen. Sie begründeten ihren militärischen Einsatz jeweils mit hehren Motiven, vor allem mit dem Ziel, »to make the world safe for democracy«.

In Wirklichkeit lag ein dauernder Imperialismus der Vereinigten Staaten zugrunde, ein Ausbreiten der eigenen Macht in immer größere Bereiche mit dem Erstreben der Weltherrschaft als Erbe des britischen Empires.[1] Vorher hatten die Amerikaner bis zum 19. Jahrhundert sich durch brutale Landnahme in Nordamerika ausgebreitet und dabei die Eingeborenen praktisch ausgerottet. Als sie ihren Kontinent erobert hatten, griffen sie auf die Welt aus und überfielen Kuba und die Philippinen 1898. Für diesen Imperialismus der USA liegen bezeichnende Aussagen vor.

Der Cowboy im Weißen Haus: Theodore (>Teddy<) ROOSEVELT (1901-1909).

In eindrucksvoller Weise hat schon vor mehr als hundert Jahren der damals amtierende US-Präsident Theodore ROOSEVELT (1858-1919) für diese Politik eine überzeugende Äußerung getan. In einer Rede, die er am 2. September 1902 in Minnesota[2] hielt hat, führte er dazu aus:

»Unsere Geschichte ist in einem großen Teil unserer nationalen Laufbahn eine Geschichte der Expansion gewesen, und zwar ist die Expansion in den verschiedenen Zeiten verschiedener Art gewesen. Diese Expansion ist für uns nicht ein Gegenstand des Bedauerns, sondern des Stolzes. Einem Herrenvolk, wie dem unseren, braucht man wohl nicht zu sagen, daß der Unternehmungsgeist nicht etwas Sicheres sei. Der wahre Amerikaner ist niemals vor der Gefahr und dem Risiko zurückgeschreckt, wenn ein hinlänglich wertvoller Preis zu gewinnen war.«

Zu einer Zeit, als noch niemand an Adolf HITLER dachte, sprach also der US-Präsident von der Bevölkerung der USA mit Stolz als dem »Herrenvolk«, dessen Geschichte die von »Expansionen« gewesen sei.

Auch um Recht und Moral ging es beim Vorgehen der Amerikaner nicht, und um diese scherten sich die USA gar nicht. Hauptsache war, daß der Gewinn groß genug war. Alles wurde dann noch als humanes und selbstloses Handeln hingestellt, wie etwa der Angriffskrieg gegen Spanien auf Kuba 1898: Was dieses betraf, wollte Theodore ROOSEVELT »es als einfache historische Tatsache feststellen, daß nie in den jüngst vergangenen Zeiten eine große Nation in ihren Handlungen eine solche Uneigennützigkeit an den Tag gelegt hat, wie wir auf Kuba. Wir haben die Inseln vom spanischen Joch befreit. Und dann haben wir mit Feuereifer alles getan, was in unserer Macht stand, um den Kubanern bei der Begründung des freien Unterrichts, bei der Begründung von Recht und Ordnung wie der materiellen Prosperität und der für das sanitäre Wohlbefinden in ihren großen Städten notwendigen Reinlichkeit behilflich zu sein«. Eine größere Heuchelei ist kaum vorstellbar.

Theodore ROOSEVELT als Kommandeur eines für den Krieg gegen Spanien rekrutierten Freiwilligen-Regiments (>Rough Riders<) 1898 auf Kuba.

Ähnlich stolz berichtete er über den Angriffskrieg gegen die spanischen Philippinen in demselben Jahr: »Den Philippinen haben wir den Frieden gebracht, und nun geben wir ihnen eine Freiheit und eine Autonomie, wie sie sie unter gar keinen Umständen hätten erlangen können, hätten wir ruhig zugesehen, wie sie in Blut und Verwirrung zugrunde gegangen oder die Beute einer starken inneren oder äußeren Tyrannei geworden wären. … Wir haben unsere Pflicht gegen uns selbst erfüllt, und wir haben der höheren Pflicht Genüge geleistet, die die Förderung der Zivilisation unter den Menschen fordert.«

Dabei vergaß er allerdings, die von den US-Einheiten mindestens eine halbe Million grausam hingeschlachteter Philippinos zu erwähnen.

Das Sendungs- und Weltbeglückungsprogamm der USA nannte er eine Pflicht des Landes: »Unsere Pflicht gegen das Volk, das in der Barbarei lebt, ist es, darüber zu wachen, daß es von seinen Ketten befreit werde, und die Freiheit können wir ihm nur geben, wenn wir die Barbarei selbst vernichten.«

Bei solchem militärischen Eingreifen rauher Burschen geschehen auch einmal unangenehme Schäden, heute würde man sagen >Kollateralschäden<, an der Bevölkerung: »Da man sich bei solch einem Werke menschlicher Werkzeuge bedienen muß und die menschlichen Werkzeuge stets unvollkommen sind, wird es manchmal allerdings zu Ungerechtigkeiten kommen.«[2]

Die USA haben ein neues System durchgeführt: »Das Problem, das damals der Drang nach Westen über den Kontinent in einer Herrenrasse darstellte, die wie die unsere die Freiheit liebte, wäre unter jedem der damals in Europa bekannten Regierungssysteme unlösbar gewesen. … Das ist die Geschichte, auf die wir stolz sind. Es ist eine Geschichte von Männern, die Großes wagten und Großes taten, eine Geschichte von Abenteurern, größer und gefährlicher als die der Wikinger, eine Geschichte endloser Waffentaten, von immer neuen Siegen in dem nie endenden Kampf gegen die wilden Menschen und gegen die wilde Natur.«[3]

Karikatur auf Theodore ROOSEVELTS Diplomatie mit dem dicken Knüppel.

Abschließend erklärte ROOSEVELT: »Es gibt ein altes amerikanisches Sprichwort, welches sagt: >Speak softly and carry a big stick, you will go so far.< (>Gebrauch nur immer sanfte Worte und führe stets einen dicken Knüppel mit dir, damit wirst du weit gelangen.<) Da sei »die schlichteste, simpelste Wahrheit.«[4] Mit dieser >Wahrheit< haben es die USA bisher gehalten. Sie haben seitdem viele Kriege begonnen und greifen, als wären sie die Weltpolizei, nach Gutdünken — und wenn es Geschäfte verspricht — immer noch in der Welt ein.

Rolf Kosiek

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»Haben wir eine Zukunft?

Na klar!

Verzeihen Sie mir das burschikose Wort, es soll nur meine Bewegung verbergen.

Zukunft ist uns sicher.

Gewinnt der Amerikanismus, so wird er in 150 Jahren die Menschheit zugrunde richten, und die Erde wird als erstorbener Mars im Weltall weiterkreisen.

Gewinnt die neue Religion, so wird die Menschheit 150 Jahre lang in großer Not leben, und dann wird wieder das Jahr Eins kommen und alles von vorn beginnen.

So oder so.

Halleluja!«

Aus: Joachim FERNAU, Halleluja, Herbig, München 1977, S. 319.

[1] Siehe z. B. Mansur KHAN, Die geheime Geschichte der ameri-kanischen Kriege. Verschwörung und Krieg in der US – Außenpolitik, Grabert, Tübingen ‚2001.

[2] Die Moral der Individuen und der Nationen, Lumen, Wien—Leipzig 1909,  S. 88 ff.

[3] Ebenda, S. 108 u. 112.

[4] Ebenda, S. 200.

[3] Siehe Beitrag Nr. 837, »Der Massenmord von Swinemünde«, Bd. 4, S. 509-513.

Quelle: Der Große Wendig 4, Nr. 729 (Download)

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