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Neutrale

Neutrale zur Kriegsschuld 1914

Immer noch[1] wird in deutschen Massenmedien die Kriegsschuld der Deutschen am Ersten Weltkrieg behauptet, obwohl schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts international festgestellt worden war, daß die Hauptschuld bei den Alliierten lag.

Auch neutrale Staaten hatten das letztere erkannt, und ihre angesehenen Historiker hatten das öffentlich ausgedrückt.

So hatte der amerikanische Senator Robert L. OWEN am 4. Dezember 1925 der norwegischen Landeskommission und dem Landeskomitee zur Erforschung der Kriegsschuld in der Schweiz sowie Gelehrten in Holland, Schweden und Finnland zwei Fragen vorgelegt:

Gründen sich die Friedensverträge, die den Weltkrieg abschlossen, in ihren wichtigen Punkten auf die Voraussetzung, daß eine Machtgruppe die alleinige Verantwortung hat?

  1. Wenn das der Fall ist, stimmt die Voraussetzung mit den jetzt vorliegenden Tatsachen derart überein, daß das Komitee der Menschheit die Friedensverträge ruhig hinnehmen darf als eine gerechte Bestrafung der für den Krieg einzig Verantwortlichen?
  2. Das Ergebnis der Befragung war durchweg für Deutschland günstig und widerlegte die Alleinschuld des Reiches oder des deutschen Kaisers am Ersten Weltkrieg. Die Antworten waren einheitlich so, daß die erste Frage bejaht wurde, daß also die Friedensdiktate von Versailles und St. Germain von der Alleinschuld Deutschlands ausgingen.

Zur zweiten Frage begnügte sich das Schweizerische Landeskomitee für die Erforschung der Ursachen des Weltkrieges mit der kurzen einstimmig gefaßten Feststellung: »Die Behauptung von der alleinigen Verantwortlichkeit der einen Partei am Ausbruch des Krieges kann keineswegs als mit dem wissenschaftlich bekannten Tatsachen übereinstimmend angesehen werden.«[2]

Alexander Fredrick DE SAVORNIN LOHMAN.

Der holländische Ministerpräsident Alexander Fredrick DE SAVORNIN LOHMAN kam zu einem klaren Urteil über die Siegermächte von 1918: »Die Friedensverträge von Versailles und St. Germain haben die Schuld am Kriege den Zentralmächten (Deutschland, Österreich, R. K.) zugeschoben. Das hat eine Sache, die schon an sich ungerecht war, noch schlimmer gemacht. Damit haben die Sieger versucht, auch dem Rechtsbewußtsein Gewalt anzutun, und sie wären auf so etwas sicher nicht verfallen, wenn sie an ihre eigene Unschuld geglaubt hätten.«

Vier finnische Professoren der Universität Helsinki urteilten einstimmig: »Man muß nicht eine Verantwortung suchen, sondern mehrere.«

Der schwedische Jurist SPENS erklärte: »Bei dieser Sachlage sind die Friedensverträge, da sie sich auf die Annahme einer solchen Alleinschuld am Krieg gründen, weder vom moralischen noch vom juristischen Standpunkt aus zu rechtfertigen.«

Der norwegische Historiker Herman Harris AALL geißelte mit scharfen Worten das Friedensdiktat von Versailles und erklärte zusammenfassend, »daß die Versailler Kommission von den allgemein gültigen Prinzipien einer objektiven Untersuchung und gerechten Tatbestandsbeurteilung kein einziges unverletzt gelassen hat«. Zum Wert der von den Alliierten mit der Hungerblockade erpreßten Anerkennung der Kriegsschuld durch die deutsche Regierung stellte er fest: »Objektiv betrachtet, hat das Bekenntnis keinen größeren Wert als ein gewöhnliches Geständnis auf der Folter.« Er urteilte: »Die Entscheidung der Schuldfrage, auf die sich die Friedensverträge gründen, ist unvereinbar mit den Tatsachen, die auf diese Weise ans Licht gekommen sind. … Der Krieg war von Seiten der Ententemächte ein Eroberungs-, teils sogar ein Vernichtungskrieg, von Seiten der Zentralmächte ein Verteidigungskrieg.«2

Zu diesen Stimmen aus neutralen Staaten kamen weitere aus den Feindstaaten, wie zum Beispiel die des amerikanischen Historikers Harry Elmer BARNES, der 1924 mit einem Standardwerk zur Revision der Kriegsschuldlüge wesentlich beitrug.[3]

Auch gestützt auf diese objektiven Urteile konnte Reichspräsident Paul VON HINDENBURG bei der Einweihung des Reichsehrenmals Tannenberg bei Hohenstein. in Ostpreußen am 18. September 1927 die im Artikel 231 des Versailler Diktats behauptete Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg vor aller Welt zurückweisen, indem er erklärte: »Die Anklage, daß Deutschland schuld sei an dem größten aller Kriege, weisen wir, weist das deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zurück. Nicht Neid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste, mit den schwersten Opfern des ganzen Volkes verbundene Mittel der Selbstbehauptung einer Welt von Feinden gegenüber.«[4]

Auch die nach 1945 von einigen deutschen Historikern wie Fritz FISCHER[5] erneut unternommenen Versuche, die Kriegsschuld am Ersten Weltkrieg den Deutschen zuzuschieben, konnten nicht überzeugen.

Rolf Kosiek


[1] Sven Felix KELLERHOFF, »Die Deutschen als Opfer«, in: Die Welt, 6. 5. 2008.

[2] »Die Grundlagen von Versailles erschüttert«, in: SudetendeutscherLandbote, 19. 1. 1928.

[3] Harry Elmer BARNES, Die Ursachen des Weltkriegs, Berlin—Leipzig 1928; ders., Entlarvte Heuchelei, Karl Heinz Priester, Wiesbaden 1961, S. 1-14.

[4] Zitiert in Waldemar SCHÜTZ (Hg.), Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Chronologie, Deutsche Verlagsgesellschaft, Rosenheim 1990, S. 127.

[5] Fritz FISCHER, Der Griff nach der Weltmacht. Die Kliegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/1918, Droste, Düsseldorf 1961.

Quelle: Der Große Wendig 4, Nr. 736 (Download)

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