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Internationale Stimmen zum Versailler Diktat

Nachdem die Diskussion über die Kriegsschuld am Ersten Weltkrieg und die Berechtigung der Vorwürfe gegen Deutschland im Versailler Diktat in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zugunsten des Deutschen Reiches abgeschlossen war, wurde nach 1945, auch von deutschen Historikern wie Fritz FISCHER oder neuerdings GROETEMAKER, erneut versucht, dem Reich die Schuld am Ersten Weltkrieg zuzuschieben. Daß das unberechtigt ist, beweist schon die Menge internationaler Urteile von angesehenen Staatsmännern und bedeutenden Zeitgenossen.

US-Präsident Woodrow WILSON in Paris. Seine Vierzehn Punkte für eine völkerrechtliche Befriedung des Ersten Weltkrieges stellen eine Verhöhnung dar.

Gerd SCHULTZE-RHONHOF hat eine Reihe solcher Urteile zusammengestellt,[1] die durch weitere ergänzt wurden.

Der US-Diplomat und Angehörige der amerikanischen Abordnung in Versailles William BuLurr bat mit Schreiben vom 17. Mai 1919 seinen Präsidenten um Abberufung von der Konferenz und führte zur Begründung an:

»Die ungerechten Beschlüsse der Versailler Konferenz über Shantung, Tirol, Thrazien, Ungarn, Ostpreußen, Danzig, das Saarland und die Aufgabe des Prinzips der Freiheit der Meere machen neue Konflikte sicher. . . Daher halte ich es für meine Pflicht, der eigenen Regierung und dem eigenen Volk gegenüber zu raten, diesen ungerechten Vertrag weder zu unterschreiben noch zu ratifizieren.«[2]

Die USA unterzeichneten und ratifizierten das Diktat dann auch nicht und schlossen mit dem Reich einen eigenen Friedensvertrag 1921.

Der britische Premierminister LLOYD GEORGE stellte in einer Denkschrift vom 26. März 1919 fest: »Ungerechtigkeit und Anmaßung, ausgespielt in der Stunde des Triumphes, werden nie vergeben und vergessen werden. Aus diesem Grunde bin ich auf das schärfste dagegen, mehr Deutsche als unerläßlich nötig der deutschen Herrschaft zu entziehen, um sie einer anderen Nation zu unterstellen. Ich kann kaum eine stärkere Ursache für einen künftigen Krieg erblicken.«1

Derselbe meinte in Versailles: »Dies (Danzig und der Korridor, R. K.) ist die Ursache des kommenden Krieges.«[3]

David LLOYD GEORGE

Derselbe in Versailles: »Ich kann mir keine stärkere Ursache für einen künftigen Krieg vorstellen, als daß das deutsche Volk, welches sich zweifellos als eine der kraftvollsten und mächtigsten Rassen der Welt erwiesen hat, rings von einer Anzahl kleiner Staaten umgeben werden soll, von denen viele aus Völkern bestehen, die noch nie vorher eine stabile Regierung aufgestellt haben, deren jeder aber breite Massen von Deutschen einschließt, die die Vereinigung mit ihrem Heimatland fordern. Der Vorschlag der polnischen Kommission, zwei Millionen einhunderttausend Deutsche der Aufsicht eines Volkes von anderer Religion zu unterstellen, das noch niemals im Laufe seiner Geschichte die Fähigkeit zu stabiler Selbstregierung bewiesen hat, muß meiner Beurteilung nach früher oder später zu einem neuen Krieg in Osteuropa führen.«[4]

John Maynard KEYNES.

Der britische Volkswirtschaftler KEYNES, der als Berater der englischen Regierung in Versailles wirkte, schriebl 920 in seinem Buch Die wirtschaft­lichen Folgen des Friedensvertrags, es handele sich bei diesem um »einen Ver­such, Deutschland der Versklavung zuzuführen und als ein Gewebe von jesuitischen Auslegungen zur Bemäntelung von Ausraubungs- und Un­terdrückungsabsichten«.1

Francesco NITTI.

Der zur Zeit der Versailler Konferenz amtierende italienische Mini­sterpräsident Francesco Nirri schrieb: »Noch niemals ist ein ernstlicher und dauerhafter Friede auf die Ausplünderung, die Quälerei und den Ruin eines besiegten, geschweige denn eines besiegten großen Volkes gegründet worden. Und dies und nichts anderes ist der Vertrag von Ver­sailles.«[5]

Robert LANSING.

Für die Fraktion der Sozialisten in der französischen Nationalversamm­lung erklärte der Abgeordnete Jean LONGUET am 18. September 1919 bei der Behandlung des Diktats: »Dieser Vertrag kann in keiner Weise die Zustimmung der Sozialistischen Partei erhalten. Er geht aus dem wohl skandalösesten Mißbrauch der Geheimdiplomatie hervor. Er verletzt offen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, knechtet ganze Nationen und erzeugt neue Kriegsgefahren.«[6]

Der US-Außenminister Robert LANSING erklärte 1919: »Wir haben ei­nen Friedensvertrag, aber er wird keinen dauerhaften Frieden bringen.«1

Der holländische Gesandte SWINDEREN meinte zu seinem kritischen Kollegen: »Die Friedensbedingungen von Versailles enthalten alle Keime eines gerechten und dauerhaften Krieges.«1

Der englische Abgeordnete KNEESHOW meinte auf dem Labour-Par­teitag 1920: »Wären wir das besiegte Volk und hätten solche Bedingun­gen auferlegt bekommen, so würden wir … in unseren Schulen und Hei­men begonnen haben, unsere Kinder auf einen Vergeltungskrieg vorzubereiten.«1

Der britische Militärhistoriker John E C. FULLER schrieb in seinem Buch 1939-1945 über Versailles: »So wurden die Drachenzähne gesät, aus welchen ein noch verheerenderer Konflikt hervorgehen sollte als der, den diese Vertragsverletzungen beendeten.«1

John F. C. FULLER.

Derselbe: »So wurde unter dem Donner der Geschütze der Erste Welt­krieg begraben und der Zweite Weltkrieg erzeugt; denn obwohl man die Spuren der tiefsten Ursachen des letzteren — so wie auch des ersteren —über Dampfmaschinen und Kontorhäuser bis zu den Instinkten des Ur­menschen zurückverfolgen kann, so war seine unmittelbare Ursache doch der Vertrag von Versailles. Und dies nicht wegen der Härte des Vertrags, auch nicht wegen des Mangels jeglicher Klugheit, sondern einfach des­halb, weil er die Waffenstillstandsbedingungen vom 11. November 1918 verletzte. Es ist wichtig, dies im Gedächtnis zu behalten.«[7]

Sven HEDIN.

Der spätere britische Premierminister Winston S. CHURCHILL äußerte sich in seinen Erinnerungen über Versailles: »Die wirtschaftlichen Be­stimmungen des Vertrages waren so bösartig und töricht, daß sie offen­sichtlich jede Wirkung verloren. Deutschland wurde dazu verurteilt, un­sinnig hohe Reparationen zu leisten. . . Die siegreichen Alliierten versichern nach wie vor, sie würden Deutschland ausquetschen, bis die >Kerne krachen<. Das alle übte auf das Geschehen der Welt und auf die Stimmung des deutschen Volkes gewaltigen Einfluß aus.«[8]

Der Asienforscher Sven HEDIN schrieb in seinem Buch über die Kriegs­ursachen:[9] »Keine Frage ist verständlicher als die, warum es so schnell nach dem Ersten Weltkrieg zu der neuen Katastrophe kam. Manche wa­ren sehr rasch mit ihrer Antwort bei der Hand: Der Störenfried war wie­der einmal Deutschland. Dieses >wieder einmal< zeigt allein schon, daß die Menschen in der kurzen Spanne von 1919 bis 1939 die Lehre der Geschichte vergessen, die sie selber miterlebt haben. Unabhängige Forscher, darunter bedeutende Amerikaner, hatten in den letzten zwanzig Jahren nachgewiesen, daß Deutschland nicht der Störenfried war, der Europa 1914 in den Weltkrieg stürzte, und daß Deutschland außerdem in der nüchternen Statistik über entfesselte und geführte Kriege hinter anderen Nationen weit zurückbleibt.«

Der hoch angesehene französische Historiker Jacques BAINVITJP erklärte: »Danzig und der Korridor sind der Keim für den nächsten Krieg.«[10]

Der französische Ministerpräsident Georges CLEMENCEAU sagte 1919 in einer Ansprache vor Offiziersschülern von St. Cyr: »Meine jungen Freunde, seien Sie ohne Sorge über ihre militärische Zukunft! Der Friede, den wir eben gemacht haben, sichert Euch zehn Jahre der Konflikte in Mitteleuropa.«[11]

Rolf Kosiek

In seinem Buch Peacemaking schrieb der britische Diplomat Harold NI­COLSON (1886-1968), Mitglied der britischen Delegation in Paris, zum Versa iller Diktat:[12]

»Dieser komische Frieden aus Schwindeleien und politischen Manövern entmutigt mich. . . Die Reparationsbestimmungen sind das große Ver­brechen. Sie sind ganz einfach unvollstreckbar. Wenn ich Deutscher wäre, würde ich ihn nicht unterzeichnen. Dieser Vertrag gibt ihnen keine Hoff­nung, weder für die Gegenwart noch für die Zukunft.. .

Es ist reiner Wahnsinn. Und das Schlimmste ist, daß diese Hunnen ir­gend etwas Vernünftiges angenommen hätten, aber dies ist es nicht.

Da wir nun eine Übersicht über die Deutschland auferlegten Bestim­mungen haben, begreifen wir, daß sie viel zu hart sind. Sie sind nicht einfach streng, sie sind Strafbestimmungen. Und nach den Worten SMUTS enthalten sie ebenso viele Nadelstiche wie Dolchstöße.«

In seinen letzten Notizen schreibt der Brite:

(Dienstag, 17. Juni 1919) »Der Rat der Zehn erlaubt einer türkischen Abordnung, vorstellig zu werden. Es ist skandalös, daß die Türken ihren Fall vortragen dürfen, während in Versailles die Deutschen in Käfigen bewacht werden.«

(Dienstag, 24. Juni) »Die Leute hier atmen auf, daß die Weimarer Natio­nalversammlung die Unterzeichnung des Vertrags genehmigt hat, schä­men sich aber, daß die deutsche Flotte sich versenkt hat. Das gibt uns den Anschein, schlimmer zu sein, als wir sind, obendrein albern. Tat­sächlich sehen wir wie Idioten und Schufte aus.«


[1] Gerd SCHULTZE-RHONHOF, 1939. Der Krieg, der viele Väter hatte, Olzog, Mün­chen 22003, S. 68 ff, 76 ff.

[2] Hans BERNHARDT, Deutschland im Kreuzfeuer großer Mächte, Schütz, Preußisch 0ldendorf 1988, S. 40.

[3] Zitiert in: Otto ABETZ, Das offene Problem, Greven, Köln 1951, S. 99.

[4] Zitiert in: Peter KLEIST, Auch du warst dabei, Vowinckel, Heidelberg 1952, S. 24 f.

[5] Francesco Nirri, Die Tragödie Europas — und Amerika?, Frankfurter Societäts Druckerei, Frankfurt 1924, S. 14.

[6] Paul RASSINTER, Die Jahrhundertprovokation, Grabert, Tübingen 31998, S. 206.

[7] John F. C. FULLER, Der Zweite Weltkrieg, London 1948, S. 11 f.

[8] Winston S. CHURCHILL, Der Zweite Weltkrieg Alfred Scherz, Bern—Stuttgart 1954, S. 13 f.

[9] Sven HEDIN, Amerika im Kampf der Kontinente, E A. Brockaus, Leipzig, 1942, S. 42.

[10] Zitiert in: ABETZ, aaO. (Anm. 3), S. 99.

[11] Zitiert irr KLEIST, aaO. (Anm. 4), S. 26.

[12] Harald NICOISON, Peacemaking, 1919, zitiert bei: Leon DEGRELLE, Hitler – ­geboren in Versailles, Grabert, Tübingen 1992, S. 464 f.

Quelle: Der Große Wendig 4, Nr. 740 (Do

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