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Neudeck

Hindenburg und die Affäre Neudeck

An anderer Stelle[1] wurde nachgewiesen, daß HINDENBURG nicht ver­trottelt war, als er HITLER zum Reichskanzler ernannte.

Unumstritten ist aber, daß HINDENBURGS Sohn, Oskar, an der Einset­zung HITLERS und an der Absetzung Kurt SCHLEICHERS (obwohl beide sich sehr gut kannten) stark beteiligt war, in der Folge jedoch keine >poli­tische< Rolle mehr gespielt hat.

Daß Paul VON HINDENBURG seine anfänglichen Bedenken gegenüber der Person HITLER, die er geringschätzte, aufgab und mit der Ernennung PAPENS zum Vizekanzler ein nationalsozialistisches Kabinett um HITLER sozusagen >einrahmen< und abfangen wollte — wie die offizielle Historio­graphie nach wie vor glaubt —, mag jedoch nicht ganz überzeugen.

Für seine Verdienste als >Retter von Ostpreußen< hatte Paul VON HINDENBURG das in Westpreußen liegende Gut Neudeck 1927 geschenkt bekommen, wo der bereits seit zwei Jahren amtierende Reichspräsident jede freie Minute verbrachte und auch 1934 starb. Um aber »die riesige Schuldsumme von 450 000 Reichsmark für Gut Neudeck bei der Bank ablösen zu können, wurde der >HINDENBURG-Dank ins Leben gerufen«.[2] Ein neues repräsentatives Haus mit Parkanlage wurde errich­tet — ein fürstliches Anwesen, das der Reichspräsident mit seiner Beam­tenbesoldung wohl schwer finanzieren konnte. Im November 1932 wur­de bekannt, daß Gut Neudeck auch mit zweckentfremdeten Staatshilfen der >Osthilfe< finanziert worden war.

Haus Neudeck bei Freystadt in Westpreußen

Zu allem Überfluß stelle sich heraus, daß Gut Neudeck gar nicht Paul VON HINDENBURG gehörte, sondern seinem Sohn Oskar! Breite Kreise der Öffentlichkeitn zeigten angesichts dieser ungeheuerlichen Tatsachen wenig Verständnis. Für die HINDENBURGs galt es nun, den wahrscheinli­chen Skandal unbedingt zu ersticken. Diese unangenehme Situation kam HITLER wie gerufen.

Die These von einem >Deal< zwischen den HINDENBURGs und HITLER, der um jene Machenschaften wußte, verdichtet sich: Gut Neudeck gegen HITLERs Kanzlerschaft. Und der >Deal< wird wohl an jener Zusammenkunft vom 23. Januar 1933 in RIBBENTROPs Villa besiegelt worden sein, an der nicht nur HITLER und PAPEN teilnahmen, sondern aus den obigen Gründen auch Oskar VON HINDENBURG. Dieser These schließt sich unter anderen Dr. Jörg MEIDENBAUER an.[3]

Michael Klotz


[1] Siehe Beitrag Nr. 747, »War Hindenburg 1933 ein dementer Trottel?«, Bd.4, S. 98.

[2] Siehe Kristian KNAACK, Der KunstSchatz des Führers, Grabert, Tübingen 2010, S. 305 f.

[3] Jörg MEIDENBAUER, Lexikon der Geschichtsirrtümer, Piper, München 2006, S. 151 f.

Quelle: Der Große Wendig 4, Nr. 748 (Download)

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