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Rechtsbrüche

Polnische Rechtsbrüche um Danzig vor 1933

Im Versailler Diktat war das fast rein deutsche Danzig gegen den erklärten Willen seiner Einwohner zur Freien Stadt erklärt und vom Deutschen Reich abgetrennt worden. Trotz weitgehender Rechte für Warschau in der Stadt versuchte Polen, immer noch mehr Zugeständnisse zu erhal­ten, und nahm dabei auch die Gefahr einer militärischen Auseinander­setzung auf sich. Schon zur Zeit der Weimarer Republik erwies sich Po­len, auch noch nach seinen Angriffskriegen gegen alle seine Nachbarn, als Gefährder des europäischen Friedens.

Als ein Dokument für diese aggressive Haltung Polens liegen die Auf­zeichnungen vom 2. März 1933 eines Beamten des deutschen Auswärti­gen Amtes vor.[1] Darin heißt es:

»Berlin, den 2. März 1933

Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich Polen folgende besonders schwer­wiegende eigenmächtige Eingriffe in die Hoheitsrechte Danzigs zuschul­den kommen lassen:

  1. Nichtzulassung eines Danziger Delegierten zur Berner Eisenbahn­konferenz (Entscheidung des Völkerbundskommissars vom 8. Januar 1924),
  2. einseitige Regelung der Ausstellung von Pässen für Danziger Staats­angehörige (Entscheidung des Völkerbundskommissars vom 28. Januar 1924),
  3. Verhinderung der Teilnahme einer Danziger Delegation am Stock­holmer Weltpostkongreß (Entscheidung des Völkerbundskommissars vom 10. November 1924),
  4. eigenmächtige Einrichtung eines polnischen Postdienstes in Dan­zig (Entscheidung des Völkerbundskommissars vom 2. Februar 1925),
  5. Entsendung polnischer Marinepatrouillen an Land ohne Geneh­migung der Danziger Regierung (Bericht des Völkerbundskommissars vom 15. August 1931),
  6. eigenmächtige Erlassung des Finanzstrafgesetzes vom 21. April 1932 (vom Völkerbundsrat behandelt in der Sitzung vom 10. Mai 1932),
  7. Anordnungen zur Verhinderung des von Danzig geübten passiven Veredelungsverkehrs (als >action directe< gekennzeichnet in der Entschei­dung des Völkerbundskommissars vom 29. März 1932),
  8. eigenmächtige Einführung der polnischen Währung bei der polni­schen Staatsbahn (Schreiben des Völkerbundskommissars an den Gene­ralsekretär des Völkerbunds vom 4. November 1932).«

Rolf Kosiek


[1] »Aufzeichnungen eines Beamten der Politischen Abtei­lung des Auswärti­gen Amts«, als Dokument Nr. 20 in: Auswärtiges Amt, 1939, Nr. 2, Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges; Faksimile-Nachdruck als Geheim. Aus den Archiven der Reichsre­gierung, Bernhard C. WINTZEK (Hg.), Mut-Verlag, Asendorf 1976, S. 24.

Quelle: Der Große Wendig 4, Nr. 749 (Download)

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