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Die Mefo-Wechsel — Kriegsvorbereitung oder geniale Finanzierung?

Beim Thema Wechsel denken viele Leute immer nur an Mefo. Ein schreckliches Wort, das als Inbegriff unsolider Finanzpolitik Gene­rationen von deutschen Schülern gelehrt wurde. HITLER habe damit sei­ne Aufrüstung finanziert, die Mefo seien sogar schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und an der Inflation der Nachkriegszeit. Es ist des­halb an der Zeit, einen genauen Blick darauf zu werfen, was sich wirklich dahinter verbarg.

Der Mefo-Wechsel war ein nach 1933 von dem genialen Finanzier Hjalmar SCHACHT entworfenes Mittel für Ausgaben des Reichs. Mit dem Mefo-Wechsel wollte man Staatsausgaben bezahlen, indem das Reich nicht in Banknoten bezahlte und so die Geldmenge ausweitete, sondern Wechsel annahm. Diese Wechsel wurden von der Industrie ausgestellt. Diese Wechsel wurden aber nicht vom Reich selbst, sondern von einer eigens für diesen Zweck gegründeten Firma namens MeFo (Metallurgische Forschungsgesellschaft m.b.H.) akzeptiert. Dies hatte den Vorteil, daß die Währungsstabilität Deutschlands nicht gefährdet wurde, da man weder neue Banknoten drucken, noch offene Schulden aufnehmen mußte. Das Stammkapital für die >Metallurgische Forschungsgesellschaft< zeichneten vier große namhafte Unternehmen des Reiches schon im Mai 1933. Dabei handelte es sich um Siemens, die Gute Hoffnungshütte, Krupp und Rheinmetall. Da es sich bei den Vertretern der >Metallurgischen Forschungsgesellschaft< um angesehene Vertreter der deutschen Industrie handelte, konnte die Deutsche Reichsbank nach dem Reichsbankgesetz die Wechsel der Industrie zum Zweck der Refinanzierung der >Metallurgischen Forschungsgesellschaft< diskontieren.

Führende Industrielle und Finanziers begrüßten und unterstützten sehr früh die neue Wirtschafts- und Finanzpolitik des Reichs. Hier links: Emil Georg VON STAUSS, Präsident der Deutschen Bank, und Carl Friedrich VON SIEMENS, Leiter des Konzerns Siemens & Halske, bei einer Kundgebung der Deutschen Wirtschaft am 7. November 1933.

Kurz gesagt, die Mefo-Wechsel waren eine Art Zahlungsmittel. Die Unternehmen, die im Auftrag des Staates besondere Ausgaben tätigten, stellten nun Mefo-Wechsel aus. Durch die Annahme ihrer Wechsel beim Lieferanten wurden ihre Forderungen gegenüber dem Reich getilgt. Andererseits konnten die Lieferanten ihre Mefo-Wechsel selbst wie Zahlungsmittel einsetzen, um Verbindlichkeiten bei anderen Unternehmen zu bezahlen. Die Aussteller der Wechsel, auf deren Namen der Wechsel lautete (Remittenten), wirkten als Gläubiger. Die Wechsel konn­ten nicht auf Sicht eingelöst werden, sondern waren an einem bestimm­ten Stichtag fällig (zahlbar). Die Laufzeit der Mefo-Wechsel betrug am Anfang ein halbes Jahr, wurde aber immer wieder verlängert.

Funktionsweise der Mefo-Wechsel (nach Wikipedia).

Ausgegebene Mefo-Wechsel seit 1934 nach SCHACHT:

Wie lächerlich klein sieht diese Finanzierung im Vergleich zur heutigen >Bankenret­tung< aus. Eine einzige Bank, die HRE (Hypo Real Estate), bekam bis Herbst 2009 über 150 Milliarden Euro >Rettungsgelder<, davon stammten 87 Millionen aus deut­schen Steuergeldern.

1934 2,14 Milliarden RM

1935 2,72 Milliarden RM

1936 4,45 Milliarden RM

1937 2,69 Milliarden RM (bis 31. Marz 1938).

Sie konnten auch bei Banken in Zahlung gegeben werden. Dies wurde aber nur selten gemacht, da die Mefo-Wechsel mit einem Jahreszins von 4 Prozent ausgestattet waren. So wurde der Mefo-Wechsel zu einem be­liebten Zahlungsmittel, das obendrein noch einen Zinsertrag brachte.[1] Im Falle einer möglichen Diskontierung des Wechsels bei den Banken hatte das Reich sonst die erforderlichen Mengen an Banknoten auszah­len müssen, was zu einer Vermehrung des Bargeldumlaufs geführt hatte.

Quelle: Wikipedia

Am Ende wurden von 1934 bis März 1938 Mefo-Wechsel in Höhe von 12 Milliarden Reichsmark ausgegeben. Diese Summe scheint klein im Vergleich zu den gigantischen Geldschöpfungen unserer Staaten zur sogenannten >Bankenrettung< in den Jahren 2008/2009. Von diesen 12 Milliarden Reichsmark wurden jedoch 8 Milliarden vom Markt aufgenommen und nicht bei der Reichsbank eingelöst. Somit ging die Absicht auf, eine Inflation zu verhindern.

An die Stelle der Mefo-Wechsel traten später die Sola-Wechsel. Sie wurden von 1937 bis 1945 ausgegeben und hatten praktisch die gleiche Funktion und Ausstattung wie die Mefo-Wechsel. Außer den Sola-Wechseln gab es zur Arbeitsbeschaffung (z. B. Auto­bahnbau und kommunale Objekte) die sogenannten Öffa-Wechsel. Wurden die Wechsel im Dritten Reich nach 1945 lange Zeit als Teufelszeug unsolider Finanzpolitik und versteckter Aufrüstung betrachtet, schweigt man seit Jahren zunehmend über diese ehemalige deutsche Fi­nanzierungsart. Dies hat gute Gründe. Ausgangspunkt der Ausgabe der Mefo-Wechsel war der bereits 1933 ausgerufene Vierjahresplan. Zu sei­ner Finanzierung sollte auf Wechsel zurückgegriffen werden, die durch Arbeitsleistungen und geschaffene Werte gedeckt wurden. Man nannte dies auch >Arbeitswährung<. Auch die Behauptung, die Mefo-Wechsel hät­ten lediglich der Rüstungspolitik des Dritten Reiches gedient, trifft nicht zu. Bei ihrer Ausgabe im Jahre 1934 gab es noch keine deutsche Wieder­aufrüstung! Im Jahr der Herausgabe der Mefo-Wechsel wurde die Zahl der Arbeitslosen um zwei Millionen gesenkt, ohne daß dabei schon Rü­stungsauftrage beteiligt waren.[2]

Der Grund für die Einführung der Wechsel zur Finanzierung des deut­schen Wirtschaftsaufschwungs war eine amerikanische Verfügung vom 13. Januar 1934, die das Verhältnis des US-Dollars zur Reichsmark um 56,9 Prozent so verschlechterte, daß es dem Deutschen Reich auf dieser Grundlage nicht mehr möglich war, die für Deutschlands Wiederauf­schwung so nötigen ausländischen Rohstoffe und Produkte zu fairen Preisen zu kaufen. Aus dieser Devisennot heraus schuf Deutschland die Arbeitswährung, von der die Wechsel ein wichtiger Tell waren. Sie ge­statteten einen Vorgriff auf Gelder, die nicht wie unser heutiges Geld künstlich geschaffenes Notenbankgeld waren, sondern die durch Arbeits­leistungen und geschaffene Werte gedeckt wurden. So gelang es damals, ein Wirtschaftswunder bei stabilen Löhnen und Preisen zu schaffen. Diese Leistung ist um so höher zu bewerten, als sie unter extremem Devisen­mangel und in Konkurrenz zu den großen Handelsmächten England und Amerika stattfand. Fest steht, daß ein Ei 1945 genauso viel kostete wie 1933.

Für Deutschland sollten die Abkehr vom Dollardiktat und die Einführung der sogenannten Arbeitswahrung tödliche Folgen haben. Obwohl man die Rückkehr zum eigentlichen Ursprung der Wirtschaft von seiten der alten Handelsmächte abschätzig als >Tauschgeschäfte< bezeichnete, buhlten die meisten der anderen Lander, die ebenfalls unter dem Diktat des Dollars und des englischen Pfunds litten, geradezu um Wirtschaftsverträge mit Deutschland. Der Tausch Kupfer gegen Fahrräder, Eisenbahnen gegen Tabak oder Kaffee war faszinierend. Niemand brauchte mehr Dollar oder Pfund Sterling. In Deutschland schuf dies eine Wohlstandsinsel inmitten einer von Wirtschaftskrisen erschütterten Welt. Dieses Mal schuf nicht Kapital Arbeit, sondern Arbeit Kapital. Deutschland brauchte vor dem Zweiten Weltkrieg also keine Fremdkredite, sondern war nur bei sich selbst verschuldet. Das Prinzip der Arbeitswährung entsprach dem ursprünglichen und natürlichen Sinn einer Wirtschaft, nämlich Arbeitsschaffung durch Arbeitsleistung.

Finanzminister Hjalmar SCHACHT und Reichskanzler HITLER im Jahre 1934.

Schon 1935 kam ein in sich selbst tragender Aufschwung in Gang, Beschäftigungsstand und Industrieproduktion näherten sich in vielen Bereichen bereits dem Vor-Weltwirtschaftskrisenni­veau von 1928. Das Lohneinkommen der Arbeiter­schaft war bei Vollbeschäftigung genauso gestiegen wie die Gewinne von Industrie und Mittelstand.[3] Daß die Mefo-Wechsel trotzdem auch als Hilfsmittel der Wie­derbewaffnung nach der vom Versailles Diktat erzwun­genen Verteidigungsunfähigkeit Deutschlands dienten, liegt in der Natur der damaligen Wirklichkeit. Sechs­mal unterbreitete die Regierung HITLER 1933-34 von sich aus Angebote zur Rüstungsbeschränkung mit ver­traglichen Einschränkungen der deutschen Selbst­schutzfähigkeit. Dann wäre die finanziell so teure deut­sche Wiederaufrüstung nicht notwendig geworden. Der Wirtschaftsaufschwung Deutschlands sollte da­von ab 1936 eher belastet werden. Im Gegensatz zu England (Flottenabkommen mit vertraglich vereinbar­ter Unterlegenheit der deutschen Kriegsmarine) woll­ten weder Franzosen noch die USA die von den Deut­schen angebotenen Beschränkungen annehmen. Dies bestätigte die Stimmung in Deutschland seit dem Ver­sailler Diktat, daß man vom Ausland weder Gutes noch Fairness zu er­warten habe.[4] Deutschland musste zu seinem eigenen Schutz wiederauf­gerüstet werden. Dabei gelang es, >Butter und Kanonen< zum Erstaunen der übrigen Welt herzustellen, auch mit Hilfe der Mefo-Wechsel als Finan­zierungsmittel. Gerade einmal 20 Prozent der bis Ende 1939 aufgelaufe­nen Rüstungsausgaben wurden über Mefo-Wechsel bezahlt.

Im Gegensatz zu Deutschland gerieten die Vereinigten Staaten 1937 in eine weitere ernste wirtschaftliche Erschütterung, bei der sie den in den fünf Jahren seit dem Börsencrash von 1929 zurückgewonnenen Boden großtenteils wieder einbüßten. Ein zweiter Börsenkrach drohte. Und noch schlimmer für die Amerikaner war, daß wegen der Abkehr der Weltwirtschaft von der Globalisierung hin zu Handelsblocken der zweite drohende amerikanische Zusammenbruch den anderen Ländern wenig schaden werde. Auch Italien und Frankreich hatten bereits ihre eigenen Handelsblocke entwickelt und wollten vom >Freien Welthandel< immer weniger wissen. Während der US-Anteil an der Weltwirtschaftsproduktion 1938 im Jahre der Münchner Krise niedriger als in irgendeiner Zeit seit 1910 war, stieg der deutsche Anteil um 40 Prozent. Deutschland konnte vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rein Volksvermögen um jähr­lich 40 Milliarden vermehren, während die Staatsverschuldung der USA auf erschreckende Weise zunahm.

Wäre der Zweite Weltkrieges nicht ausgebrochen, hatte die deutsche Wirtschaftspolitik Schule gemacht, zum Schaden der USA und Englands.

Es ist interessant, daß es in der ganzen antideutschen Propaganda und Hetze der Vorkriegszeit bis zum Zeitpunkt des absehbaren alliierten Sie­ges 1944 keinen kritischen. Hinweis auf das für die alten Mächte so ge­fährliche deutsche Wirtschaftssystem gab. Man wollte wohl die Welt nicht auf dieses Instrument des Wirtschaftswunders aufmerksam machen, das die Ostküstenfinanziers der USA und die Londoner City einflußlos ge­macht hätte.

Deshalb behaupten viele, daß der Zweite Weltkrieg im Grunde ein Krieg des (plutokratischen) Kapitals gegen den Antikapitalismus war.

Die Rückkehr Deutschlands zum Goldstandard war den Alliierten dabei so wichtig, daß man nach dem deutschen Sieg über Polen 1939 bereit war, Frieden zu schließen, ohne die Räumung Polens zu verlangen, wenn das Reich zur Wiedereinführung der Goldwahrung bereit gewesen wäre. Der britische Verhandlungsführer Oberstleutnant J. Creagh Scarr erklarte am 11. August 1947 in einer Rede in London: »Während des gesamten >Telegrammkrieges 1939/40< (das heißt der Zeit zwischen dem deutschen Sieg über Polen und dem deutschen Angriff gegen Frankreich am 10. Mai 1940) fanden ausgedehnte Verhandlungen zwischen dem britischen und dem deutschen Auswärtigen Amt statt. Wir schlugen dabei vor, die Feindseligkeiten einzustellen, wenn Deutschland bereit ist, zur Goldwäh­rung zurückzukehren.«

Das gleiche wurde von dem Schweden Ehrhard FLEISBERGH in seinem Buch Wovon lebt der Mensch (Stockholm 1950) bestätigt.

Die Rückkehr zum alten Standard hatte jedoch für Deutschland den Rückfall in die Knechtschaft des alten Systems bedeutet.

Im Spätsommer 1944 ließ dann der amerikanische Generalstaatsan­walt Francis BIDDLE die Katze aus dem Sack, nachdem die Alliierten mit Hilfe deutscher Verräter in der Normandie erfolgreich ihren Fuß auf den europäischen Kontinent hatten setzen können: »Die deutsche Regie­rung und das deutsche Volk haben die Gesetze des wirtschaftlichen Li­beralismus, so wie er die Geschichte der Vereinigten Staaten bestimmt hat, nie verstanden, geschweige denn übernommen.«[5]

Damit wird klar, daß eines der entscheidenden Kriegsziele der Alliier­ten die Ausschaltung des erfolgreichen und daher für die plutokratischen Kräfte gefährlichen deutschen Wirtschaftsmodells war. Tatsachlich hatte bis zum Ausbruch des Krieges das von Deutschland eingeführte Verrechnungssystem die Preise fur die Handelsgüter außerhalb des Verrech­nungsraums so gedrückt, daß die Umsatz- und Gewinnmöglichkeiten für anglo-amerikanische Firmen, deren Länder die Fahne des >Freihan­dels< hoch hielten, äußerst bedroht waren.

Die physische Besetzung Deutschlands — so viele Opfer sie auch unter den Soldaten und der Zivilbevölkerung beider Seiten forderte — ermög­lichte erst den Aufbau einer amerikanisch kontrollierten und beherrsch­ten freien Wirtschaftsordnung mit Globalisierung, die nun seit dem Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 in der Krise steckt.

Das deutsche Prinzip einer Werteschaffung durch Arbeitsleistung ent­sprach dem ursprünglichen Sinn einer Wirtschaft. Geld kann nur der Maßstab, das Barometer einer Ware oder Leistung sein. Statt dessen wird heute Geld selbst zum Handels- und Spekulationsobjekt. Die eigentli­chen Waren spielen nur eine Nebenrolle.

Vielfach wurde nach dem Zweiten Weltkrieg behauptet, daß das an­scheinend so erfolgreiche deutsche Wirtschaftssystem früher oder später wegen Überschuldung zur Pleite führen mußte. Pleiten werden aber durch einen Run von Gläubigern verursacht. Es gab jedoch keine ausländischen Gläubiger, denn Deutschland war nur bei sich selbst verschuldet. Auffäl­lig ist, daß das damalige deutsche Wirtschaftssystem von der modernen Wissenschaft kaum untersucht wurde. In den Medien wird als Konkur­renz zum heutigen Fiat-Geld höchstens über eine mögliche Golddec­kung gesprochen, wie sie von den dreißiger bis zu den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dastand. Die Alternative einer Arbeitswahrung wird totgeschwiegen. Andreas Argens


[1] >Mefo-Wechsel<, http://de.wikipedial.org/ wiki/Mefo-Wechsel

[2] Hans Werner WOLTERSDORF, Hinter den Kulissen der Neuen Weltordnung, Grabert, Tubingen 2001, S. 187 ff.

[3] Hans-Ulrich THAMER, »Das Dritte Reich«, in: Deutsche Geschichte, Bd. 11, Ber­telsmann 1987, S. 267-275.

[4] Gerd SCHULTZE-RHONHOF, 1939.  Der Krieg, der viele Väter hatte, Olzog, München 2003, S. 73-76, S. 534 ff.

[5] Friedrich GEORG, Unternehmen Patentenraub 1945, Grabert, Tubingen 2008, S. 25 ff.

Quelle: Der Große Wendig 4, Nr. 762 (Download)

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