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Meine erste Reise in das Konfliktgebiet in der Ost-Ukraine

Ich wurde eingeladen, als einer der ersten ausländischen Journalisten das Konfliktgebiet in der Ost-Ukraine zu besuchen. Hier mein erster Bericht.

Ich habe schon angekündigt, dass ich diese Woche eine Dienstreise machen und die Ost-Ukraine besuchen werde. Hier werde ich erzählen, wie es dazu gekommen ist und was ich am ersten Tag erlebt habe.

Wie es dazu kam

Ich habe schon öfter gesagt, dass ich den Donbass besuchen und mir ein eigenes Bild von der Lage machen möchte. Das wurde nach dem Beginn der russischen Militäroperation jedoch fast unmöglich, denn wer dort nicht schon vor Beginn der Operation vernetzt gewesen ist, kommt derzeit kaum hinein. Ich habe es über viele Wege versucht, aber eine Akkreditierung zu bekommen, wenn man noch nie dort war, ist momentan fast unmöglich.

Ich habe jedoch immer wieder Anrufe bekommen, dass es Chancen gebe und dass es bald losginge, aber danach kam dann nichts mehr. Daher habe ich das auch letzte Woche, als ich wieder so einen Anruf bekommen habe, ob ich bereit wäre, spontan mitzufahren, erst einmal nicht ernst genommen. Dann jedoch kam am Samstag der Anruf, es gehe am Montag um 7.00 Uhr in Moskau los.

Die lange Reise

Ich habe daraufhin alle Pläne über den Haufen geworfen und bin nach Moskau geflogen, wo ich im Hotel die Nacht durchgearbeitet habe, um noch einige Artikel zu schreiben. Da der Luftraum über Süd-Russland gesperrt ist, mussten wir mit dem Auto fahren und so trafen wir uns um 7.00 Uhr. Die Gruppe bestand aus sechs Journalisten, zwei Begleitpersonen und zwei Fahrern und wir fuhren in zwei Minibussen los. Ich habe die Fahrt fast vollständig verschlafen, was aber geplant war, da ich während der Reise lieber nachts schreiben und tagsüber schlafen wollte, damit der Anti-Spiegel keine ganze Woche Sendepause hat.

Wie wir erst im Auto erfuhren, sollte es nicht in den Donbass gehen. Vielmehr sollten wir die ersten ausländischen Journalisten sein, die über die Krim in die Süd-Ukraine fahren dürfen, um uns dort ein Bild von der Lage zu machen. Daher übernachteten wir in Rostov am Don und fuhren am nächsten Tag über die neue Krim-Brücke nach Simferopol, was eine Tour von insgesamt 1.900 Kilometern war. In Simferopol trafen wir am 15. März ein und dort stießen noch andere Journalisten zu der Gruppe hinzu.

Es wird ernst

Am 16. März saßen wir um fünf Uhr morgens in den Bussen und fuhren zu einem Treffpunkt, wo wir aus unseren zwei Bussen in einen einzigen Bus umsteigen sollten. Wir bekamen Schutzausrüstung mit „Presse“-Aufschrift und wurden von hier an von zwei gepanzerten Fahrzeugen der russischen Nationalgarde (Rosgvardia) eskortiert, in denen etwa 20 bewaffnete Soldaten zu unserem Schutz saßen.

Die Rosgvardia ist eine Mischung aus Polizei und Militär, sie bewacht normalerweise kritische Infrastruktur, kann aber auch bei Aufständen oder im Krieg eingesetzt werden. In der Ukraine ist eine ihrer Aufgaben, in den Städten, die unter russische Kontrolle gekommen sind, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, mit der Stadtverwaltung die organisatorischen Dinge zu koordinieren, die für das normale Weiterleben nötig sind, und so weiter. Die Jungs waren freundlich zu uns und bei den vielen Pausen kamen auch nette Kontakte und Gespräche zu Stande.

Die Journalisten, die sich mit mir auf den Weg gemacht haben, kommen aus den USA, den Niederlanden, der Mongolei, Serbien und Italien.

Der erste Eindruck

Als wir die Grenze überquerten, war der ukrainische Grenzposten ziemlich zerstört, aber das war auch alles. Es lagen dann noch einige Autos am Straßenrand, die – wie uns unser Begleiter erzählte – in aller Eile von der ukrainischen Armee quer auf der Straße aufgestellt worden waren, um die Straße zu blockieren. Aber Panzer kann man mit ein paar PKW nicht aufhalten.

Ansonsten haben wir – von an einigen Stellen beschädigten Leitplanken – keine Schäden gesehen. Die russische Armee ist dort, ohne auf Widerstand zu stoßen durchmarschiert, und in allen Orten, an denen wir vorbeikamen, war alles heil, nicht ein Fenster war kaputt. Auch das Leben ging seinen normalen Gang, Geschäfte und Tankstellen waren geöffnet, Autos fuhren, Menschen waren auf der Straße und so weiter. Wenn man es nicht gewusst hätte, hätte nichts darauf hingedeutet, dass hier gerade eine Armee durchmarschiert ist.

Erfahrene Journalistenkollegen, zum Beispiel eine holländische Journalistin mit Syrien-Erfahrung, fand das sehr beeindruckend. Sie erzählte, dass sie das aus Syrien anders kennt, denn wenn die US-Armee vorrückt, dann fliegen Hubschrauber vorweg, die auf alles schießen, was sich bewegt, um Hinterhalte zu verhindern. Selbst wenn dabei keine Zivilisten zu Schaden kommen, ist die Zerstörung dort, wo die US-Armee vorgerückt ist, beträchtlich, hat sie erzählt.

Das hat auch der Amerikaner unter den Journalisten bestätigt, der ein ehemaliger US-Marine ist. Der hat übrigens eine interessante Geschichte, denn er lebt seit sechs Jahren in Russland und hat politisches Asyl bekommen, weil er in den USA bei einem heiklen Thema zu viele kritische Fragen gestellt hat. In den USA wird die Geschichte natürlich anders erzählt, aber das ist ein anderes Thema.

Was außerdem aufgefallen ist, ist die Armut in der Ukraine. Wer – wie ich – Russland noch aus den 1990er Jahren kennt, der hatte das Gefühl, eine Zeitreise zurück in die 90er gemacht zu haben. Russland ist heute ein sauberes Land mit modernen Städten, in denen ganze Stadtteile neu entstanden sind. Ich habe dazu mal ein Video verlinkt, dass das deutlich macht.

Die Ukraine sieht noch genauso aus, wie Russland damals. Kaputte Straßen, verfallene Bushaltestellen, schlecht gepflegte, halbverfallene Häuser, viele alte sowjetische Autos und so weiter. Sogar die freudlose Kleidung der Menschen erinnert an die 90er Jahre in Russland. Das hat mich sehr berührt, weil es einige Erinnerungen an damals und an die Probleme meiner Freunde in der Zeit wachgerufen hat. Aber das kann nur verstehen, wer es erlebt hat.

Genitschesk

Unsere Fahrt ging in die kleine Stadt Genitschesk, die direkt vor Krim auf dem ukrainischen Festland liegt und im Sommer ein Touristenziel für Badeurlauber ist. Wir haben dort den Markt besucht, sind durch die Stadt spaziert, haben eine Ausgabestelle für humanitäre Hilfe besucht und den einzigen Kriegsschaden gezeigt bekommen, den es dort gegeben hat.

Dass die Lage nicht vollkommen normal ist, zeigte sich an der Schlange vor einer Bank, denn anscheinend funktioniert das bargeldlose Zahlen dort derzeit nicht und die Leute stehen für Bargeld an, was aber Mangelware ist. Ansonsten machte die Stadt einen ziemlich normalen Eindruck.

Auf dem Markt durften wir uns frei bewegen, mussten aber zusammenbleiben, damit unsere Beschützer alles im Blick hatten. Es war für die Einheimischen sicher ein etwas ungewohnter Anblick, als etwa 12 Leute in Schutzkleidung und mit der Aufschrift „Press“ in Begleitung von etwa 20 Schwerbewaffneten auf das Gelände kamen.

Die Angst der Menschen

Ich hatte erwartet, dass die Gegner der russischen Militäroperation nicht mit uns reden würden, weil sie Angst vor den russischen Soldaten haben müssten. Es war aber genau umgekehrt. Die Gegner haben den russischen Soldaten ins Gesicht gesagt, dass sie nicht willkommen sind und nach Hause gehen sollten. Sie haben ganz offensichtlich rein gar keine Angst vor den russischen Soldaten und beschimpfen sie teilweise heftig, was die russischen Soldaten stoisch und reaktionslos geschehen ließen.

Wer Angst hat – das haben wir alle schnell bemerkt -, sind die Unterstützer der russischen Operation. Die gingen an den Soldaten vorbei und flüsterten ihnen unauffällig Dankesworte und Dinge wie „endlich!“ oder „geht nicht wieder!“ zu.

Die Unzufriedenen haben sich auch um jedes Mikrofon gerissen und vor jede Kamera gestellt und ihrem Unmut Luft gemacht, während es schwer war, die Befürworter der Operation vor die Kamera zu bekommen und zu interviewen. Eine der wenigen Ausnahmen war eine alte Dame, die sagte, sie sei 72 und habe keine Angst. Sie hat vor der Kamera fast vor Freude geweint und sich bei Russland bedankt.

Angst so, habe ich dann in geflüsterten Gesprächen mit einigen Betroffenen erfahren, haben die Leute davor, dass Russland wieder abziehen könnte und sie dann für ihre Befürwortung des russischen Eingreifens mit Repressionen und Schlimmerem rechnen müssten, so wie es seit nach dem Maidan war. Der bekannteste, aber bei weitem nicht einzige, Fall war die Tragödie von Odessa im Mai 2014 mit über 40 Toten, die von Maidan-Anhängern bei lebendigem Leib in Odessa verbrannt worden sind. Diesen Massenmord nennen die Nationalisten in der Ukraine zynisch „Odessa-Barbecue“ und er wurde bis heute nicht aufgeklärt.

Generell war das Leben für Regierungsgegner in der Ukraine nach dem Maidan nicht ungefährlichpolitische Morde waren keine Seltenheit und auch das UNHCR hat das in seinen Menschenrechtsberichten zur Ukraine immer wieder erwähnt. Aber es ist das Eine, das zu wissen und darüber zu lesen, aber es ist etwas völlig anderes, wenn man diese Angst so greifbar erlebt. Die Angst war auch daran zu sehen, dass viele nicht einmal im Bildhintergrund zu sehen sein wollten. Die meisten haben die Kameras gemieden und sind immer hinter den Kameraleuten vorbeigelaufen, um nicht ins Bild zu kommen.

Und noch etwas an der Reaktion der Leute war vielsagend. Aufgrund der Tatsache, dass wir unter dem Schutz russischer Soldaten waren, hätten die Leute der Meinung sein können, wir seien pro-russisch. Aber als sie hörten, dass wir aus dem Westen kommen, haben es viele abgelehnt, überhaupt mit uns zu sprechen. Mit russischen Medien hätten viele wohl gesprochen, aber vor eine holländische, italienische oder gar amerikanische Kamera wollte fast niemand.

Einer, der sich dazu bereit erklärt hat, hat darauf bestanden, das Interview auf Englisch und nicht auf Russisch zu führen, weil er Angst hatte, westliche Medien könnten ihm das Wort im Mund verdrehen. Das war eine Erfahrung, die ich in der Ukraine nicht erwartet hätte. Er hat sich dann positiv über die russische Militäroperation geäußert.

Die Sorgen der Menschen

Auf dem Markt waren auch viele Menschen, die sich bitterlich über die Armut beschwert haben. Rentner müssten ihr ganzes Geld für Strom und Heizung ausgeben, und hätten kein Geld für Lebensmittel übrig. Wann endlich die Kosten für Wohnnebenkosten gesenkt und die Renten erhöht würden, haben sie uns angeschrien, dabei können weder wir Journalisten, noch die russischen Soldaten etwas für die Höhe der Renten in der Ukraine.

Der Unmut der Leute darüber ist verständlich und ich habe oft berichtet, dass das ein großes Problem in der Ukraine ist. Die Russen können dafür jedoch wahrlich nichts, aber für die Kollegen, die kein Russisch konnten, sah das nach Protest gegen die russischen Soldaten aus, dabei hatte das (sehr berechtigte) Geschimpfe dieser Menschen nichts mit den Russen zu tun. Viele Rentner beklagten sich, dass ihre gesamte Rente für die Wohnnebenkosten drauf geht und sie nur überleben können, weil ihre Kinder oder Freunde ihnen Essen geben.

Anders waren die Eindrücke, als wir dann vom Markt mit den vielen Menschen weggegangen und durch die Stadt spaziert sind. Wenn die Menschen alleine mit uns sprechen konnten, ohne sich von einer Menschenmasse beobachtet zu fühlen, waren sie gleich viel offener. Besonders eindrücklich war eine alte Dame, eine Babuschka wie aus dem Bilderbuch, die in einem von einem Zaun aus Metallplatten umzäunten Haus wohnt. Als unsere Gruppe vorging, bellten alle ihre Hunde und sie kam zum Tor und murmelte, was denn das los sei, dass die Hunde so verrückt spielen.

Als sie das Tor öffnete stand sie vor fünf Journalisten in Schutzwesten und Helmen und drei schwerbewaffneten Soldaten, die da gerade an ihrem Haus vorbeigingen und sie machte ein sehr verdutztes Gesicht. Aber sie war unglaublich freundlich, fragte, wer wir seien und so weiter. Als ich ihr sagte, wir seien ausländische Journalisten und ob sie den Kollegen etwas ins Mikrofon sagen wollen, fragte sie: „Für welche Seite?“

Da mussten wir alle (auch die Soldaten) lachen, und als sie verstanden hatte, dass sie sagen kann, was sie will, machte sie bereitwillig mit. Sie hat dabei einfach nur um Frieden gebeten und beklagt, dass immer „die Jungs“ darunter leiden müssen, wenn „die da oben“ sich mal wieder streiten. Jetzt würden auf beiden Seiten Jungs sterben, die doch alle eigentlich zusammengehören und sklavische Brüder seinen, wobei sie die russischen Soldaten direkt angesprochen hat, die dazu nickten. Sie hielt eine Rede für den Frieden, wie ich sie selten so überzeugend gehört habe. Sie war eine wirklich liebenswerte Frau und ich sehe ihr offenes Lächeln immer noch vor mir.

Humanitäre Hilfe

Im Westen wird nicht über die humanitäre Hilfe berichtet, die Russland leistet. In Russland wird hingegen gescherzt, dass es bald keinen Zucker und kein Mehl mehr gibt, weil das als humanitäre Hilfe in die Ukraine geht. Und in der Tat haben wir auf unserer langen Fahrt von Moskau auf die Krim viele lange LKW-Konvois mit humanitärer Hilfe gesehen.

Wir haben auch eine Ausgabestelle für humanitäre Hilfe besucht, bei der sich jedoch viele beschwert haben, dass es nicht genug Hilfe gebe und dass sie schon einige Male mit leeren Händen gehen mussten. Woran das liegt, kann ich nicht beurteilen, denn aus den Flüchtlingslagern weiß ich, dass es da genug für den nötigen Bedarf gibt. Vielleicht hat Russland das Problem der Flüchtlinge unterschätzt, ich weiß es nicht. Aber die schiere Menge an LKW auf Russlands Autobahnen hat gezeigt, dass wirklich viel geliefert wird, wir waren auf der Fahrt sehr überrascht über die große Zahl an Hilfskonvois.

Bei der Ausgabestelle war es wieder ähnlich, wie auf dem Markt: Einige wollten nicht vor die Kamera und wollten nicht reden. Aber hier war die Angst nicht so deutlich zu spüren, wie auf dem Markt. Eine Frau hatte gar keine Angst. Sie stand in der Schlange und beschwerte sich auch, dass sie schon einige Male umsonst hier gewesen sei, aber sie sagte deutlich, wie sehr sie sich über die Russen freue.

Sie hat geschwärmt, wie viel besser es vor dem Maidan („unter Janukowitsch“ wie sie immer wieder sagte) gewesen sei. Nach dem Maidan seien alle größeren Arbeitgeber der Region pleite gegangen, die Arbeitslosigkeit sei hoch, die Armut schlimm. Und natürlich kam wieder die Beschwerde über die Wohnnebenkosten, die man nicht bezahlen könne. Sie käme aus dem Nachbardorf, habe einige Kühe und wolle nur, dass sie ihre Milch wieder zu einem vernünftigen Preis verkaufen und ihren Kindern eine Zukunft bieten kann.

Die Spaltung

Der Maidan hat die Menschen in der Ukraine gespalten, das merkt man deutlich. Mein Eindruck ist, dass in dem Ort, wo wir waren, die Zustimmung zur russischen Militäroperation überwiegt. Die Gegner davon sind lauter, aber in meinen Augen eine Minderheit, denn sobald es keine Menschenmenge gab, hörte man zwar Beschwerden über diese oder jene Schwierigkeit, aber keine explizit anti-russischen Aussagen, wie auf dem Markt. Die Stimmen auf dem Markt waren zwar lauter, aber wohl keine Mehrheit, wie die vielen geflüsterten „Danke schön“ gezeigt haben. Aber das ist mein subjektiver Eindruck.

Die Gegner der russischen Operation sagten, dass hundert Prozent der Menschen dagegen seien, was die vielen anderen Stimmen widerlegen. Die Unterstützer der Russen sagten, dass 90 Prozent so denken, wie sie. Ob das stimmt, weiß ich natürlich auch nicht. Aber das zeigt, wie tief das Land nach dem Maidan gespalten wurde.

Interessant waren zwei alte Herren, die unbedingt von dem mongolischen Kamerateam interviewt werden wollten. Sie führten dann in dem Interview ein regelrechtes Streitgespräch, bei dem der eine eher für die russische Operation war, der andere hingegen absolut dagegen. Es war interessant, die beiden argumentieren zu hören.

Es wird ein langer Weg, diese Spaltung wieder zu kitten.

Sonstige Eindrücke

Übrigens ist es für Ukrainer möglich, auf die Krim zu kommen. Ich hätte gedacht, diese Grenze sei geschlossen. Aber es standen viele zivile Fahrzeuge vor der Grenze, die zwar sehr streng kontrolliert werden, aber am Ende passieren dürfen. Dabei handelt es sich um Flüchtlinge, die in Russland Schutz suchen, zum Beispiel bei Verwandten.

Und ich habe den Krim-Kanal gesehen, den die Ukraine nach dem Maidan blockiert hat, weil sie die Insel von der Wasserversorgung abschneiden wollte. Die Krim war auf das Wasser angewiesen und für Russland war es ein echter Kraftakt, die Wasserversorgung in den letzte acht Jahren aufrecht zu erhalten. Seit russische Truppen den Kanal unter Kontrolle haben, fließt das Wasser wieder.

Wir haben, wie gesagt, praktisch keine Kriegsschäden gesehen, wenn man von den Grenzbaracken, ein paar umgekippten Autos und kaputten Leitplanken absieht. Der einzige Kriegsschaden, den wir gesehen haben, betraf eine Brücke vom Festland auf die Krim. Ukrainische Soldaten hatten in aller Eile versucht, sie zu sprengen, um die russische Armee aufzuhalten, aber es brach nur eine Seite der Fahrbahn ein, die andere Hälfte der Brücke ist normal befahrbar.

Was uns verboten war

Es hat mich überrascht, als uns der leitende Offizier unserer Beschützer die Liste der Verbote eröffnete, denn sie bestand aus nur einem Punkt: Das Filmen und Fotografieren von Soldaten ohne Gesichtsmaske ist nicht erlaubt. Kontrolliert hat das allerdings niemand, die Anweisung wurde gegeben und das war alles.

Ansonsten sollten wir einigermaßen zusammenbleiben, aber da taten mir unsere Beschützer leid, denn daran haben sich die neugierigen Journalisten kaum gehalten, als sie zum Beispiel sofort über das Gelände des Marktes ausgeströmt sind und sich auf der Suche nach Interview-Partnern in den Gassen zwischen den Marktständen verteilt haben.

Fazit

Dort, wo wir waren, geht das Leben weitgehend seinen normalen Gang. Schockiert hat mich die Angst der Menschen, die die russische Seite unterstützen. Das zu sehen, dieses Unbehagen der Menschen, das war bedrückend. Auch die sichtbare Armut der Ukraine hat mich überrascht. Ich hätte nicht erwartet, dass man das so deutlich sehen kann. Die Infrastruktur ist noch aus der Sowjetunion und seitdem wurde nicht viel getan, vieles ist verfallen, vor allem die leer stehenden Fabriken und die wirklich schlechten Straßen fallen auf.

Gefreut hat mich die Antwort eines Mannes auf die Frage, ob in der Stadt mehr Russen oder Ukrainer leben. Seine Antwort war:

„Da machen wir keinen Unterschied! Außerdem leben hier so viele Völker; Armenier, Georgier, Griechen, wir sind alle eine Familie!“

Das wünsche ich mir für die Ukraine, dass sie wieder dahin zurückfindet: Eine große Familie zu sein, denn das wollten die Maidan-Regierungen der Ukraine austreiben, indem sie auf radikalen Nationalismus gesetzt haben.

Ich werde diesen Artikel veröffentlichen, wenn wir die zweite Reise hinter uns haben, denn die soll nach Melitopol gehen, das ja einige Schlagzeilen gemacht hat und wesentlich tiefer im Hinterland liegt. Diese Information möchte ich aber vor Ende der Fahrt nicht veröffentlichen.

Ankunft in Genitschesk
Der Markt in Genitschesk
Straße in Genitschesk
Straßenbild in Genitschesk mit einem unserer Begleiter
Einer unserer Beschützer
Die halb zerstörte Brücke
Das mongolische Filmteam
Ein italienischer Journalist spricht einen Beitrag ein

17. März 2022 17:58 Uhr

Eine Antwort auf „Ukraine“

Wie immer schon das altbekannte Sprichwort unkt: „Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte!“ Diese Mitte ist jedoch sehr weit von der westlichen einseitigen (Des-)Information entfernt!

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